Kabinenbau: Interview mit nomadcampers.de

Hallo Alexander,

vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst, in unserem Interview einige Fragen zu beantworten.

Wir haben uns kurz zur Abenteuer Allrad in Bad Kissingen getroffen. Aber wir hatten kaum Zeit, uns zu unterhalten, weil eurer Stand permanent belagert war und die interessierten Messebesucher Fragen über Fragen zu euren Produkten hatten. Ich habe da mal 20 Minuten zugehört. Das Interesse an selbstgebauten Wohnkabinen scheint also ungebrochen?

Alex Mehler:

Hallo Roger, ja wir hatten wirklich nur sehr kurz Zeit, uns zu unterhalten, aber es hat mich gefreut, dich auch einmal persönlich kennen zu lernen. Im Sommer wäre die Messe zwar etwas angenehmer gewesen, aber das Interesse war auch dieses Jahr wirklich groß, egal ob es um Kabinen oder Bausätze geht. Wir hatten wirklich gute Gespräche, die Besucher waren sehr hungrig nach Informationen und wir haben auch gutes Feedback zu unserer Arbeit und unseren Produkten erhalten, was mich natürlich sehr freut. Die Messe war wirklich drei Tage Dauerfeuer und am Ende waren die Stimmbänder durch… wir hätten danach gut mal eine Woche ins Schweigekloster gehen können, so viel wie wir da geredet haben.

Ungebrochenes Interesse auf der Allradmesse in Bad Kissingen 2021: Vater Mehler im Dauervortrag

Roger:

Wenn ich das richtig in Erinnerung habe, seid ihr letztes Jahr mit eurer Fertigung umgezogen. Was war der Grund?

Alex Mehler:

Ja richtig, das war ein weiterer großer Schritt für uns. Im Grunde waren wir früher eingemietet in zwei etwas größere Garagen und haben dort unsere Kabinen gebaut. Das hat sich alles dann doch zu „mehr“ entwickelt und irgendwann war dann einfach eine Entscheidung fällig, wie es weitergehen soll. Damals war alles schon recht „rustikal“ und vor allem eng im Vergleich zu heute. Die Entscheidung war dann damals, dass wir den Schritt gehen wollen und eine eigene größere Halle bauen, die uns mehr Möglichkeiten gibt, unser Geschäft zu entwickeln. Anfang 2019 wurde dann mit dem Bau begonnen und die erste Kabine haben wir dann, glaube ich, gegen Juni in der neuen Halle gebaut. 

Hier nimmt jede Wohnkabine von nomadcampers.de ihren Anfang. Die neue Produktionshalle mit moderner Fertigung.

Roger :

Ihr baut natürlich alle Arten von Wohnkabinen, aber wir wollen uns heute auf die offroad tauglichen Alkoven Kabinen für EU Pickups konzentrieren. Beschichtet bzw. laminiert ihr die Sandwichplatten selbst?

Alex Mehler:

Die neue Halle hat dann natürlich auch ermöglicht, dass wir unsere eigene Fertigung für GFK-Sandwichplatten aufbauen, um zum einen unabhängig zu sein und unseren eigenen Bedarf decken zu können und zum anderen auch Privatkunden individuell auf Kundenwunsch angefertigte Sandwichplatten oder eben individuelle Bausätze anbieten zu können. Die Sandwichfertigung ist ein interessantes Spielfeld mit vielen Möglichkeiten, nicht nur Standard-Sandwichplatten herzustellen, sondern eben auch verschiedene Komponenten und deren Eigenschaften zu kombinieren um etwas besseres, leichteres und stabileres daraus zu machen. Wir haben bei uns einen schönen großen Presstisch, der es uns ermöglicht, auch echte Brummer von Sandwichplatten in einer Größe von bis zu 13m x 3,2m im Vakuum-Kleb-Press-Verfahren zu fertigen. Um bei der Qualität von Anfang an keine Kompromisse einzugehen, haben wir uns dann auch entschieden, in eine moderne 3K-Misch- und Dosieranlage zur Aufbereitung unseres PUR-Klebstoffs für die Sandwich-Fertigung zu investieren. Diese Misch- und Dosieranlage gibt uns die nötige Prozesssicherheit und ermöglicht uns auch, durch einstellbare Mischungsverhältnisse der drei Komponenten, flexibel zu sein wenn’s mal „brennt“ und schnell gehen muss. Mittlerweile haben wir auch aus dem gewerblichen Bereich einige Kunden, die unsere Sandwichplatten verbauen, was uns natürlich sehr freut, wenn auch geschätzte Kollegen auf unsere Produkte zählen.

Roger:

Ich habe vor einiger Zeit den Beitrag “ Abenteuer Kabinenbau” geschrieben. Da ging es um den Bau einer Alkovenkabine von Heike und Matthias Rickert. Und ihr habt die Teile geliefert.

Ihr bietet also fertig geschnittene Bausätze an?

Alex Mehler:

Ja genau, das ist neben dem Kabinenbau unser zweites Standbein. Die Bausätze sind mittlerweile recht bekannt und dein Beitrag über das Projekt von Heike und Matthias hat der Nachfrage bei uns sicher nicht geschadet, also vielen Dank an dieser Stelle an Heike und Matthias und natürlich an dich ebenso. Das Thema mit den Bausätzen ist für den Kunden deshalb sinnvoll, da man bei uns alles aus einer Hand bekommt und sich nicht alles mühsam zusammensammeln muss. Der Bausatz-Kunde bekommt genau dasselbe, was wir auch in der eigenen Fertigung verbauen und ausschließlich das, was wir für gut befunden haben. Gerade beim Klebesystem ist das natürlich wichtig, da wir verschiedene Klebstoffe, Reiniger und Primer verwenden und anbieten, die alle aufeinander – die Anwendung und auf unser Material – abgestimmt sind. Wie dein Beitrag schon sagt „Abenteuer Kabinenbau“, das ist es tatsächlich, denn für Bausatz-Kunden fängt das Abenteuer nicht erst bei der Reise an, sondern bereits beim Kabinenbau.

Let the Adventure begin: Matthias und Heike Rickert – Kunden von nomadcampers.de bei der Abholung ihres neuen Projekt. (Bild: Matthias Rickert)

Roger :

Sind da Türen und Fenster schon mit ausgeschnitten? Verkauft ihr auch die passenden Elemente mit?

Alex Mehler:

Wie liefern eigentlich alles, was man für den Kabinenbau so braucht, also die individuell gefertigten Sandwichplatten, wenn gewünscht und nötig mit Einlegern und Verstärkungen an vorgegebenen Stellen, GFK- und Aluprofile, Eckkappen, das komplette Klebesystem sowie auch Bausätze für Türen und Klappen in Wunschmaßen, Fenster, Dachhauben usw. 

Der Basisbausatz kommt mit besäumten rechteckigen Platten mit Aufmaß, die sich der Kunde dann selbst auf Endmaße zuschneidet. Wenn man das nicht will oder nicht die Möglichkeit dazu hat, bieten wir als Option an, die Platten aber auch fix & fertig zuzuschneiden und man bekommt den Bausatz und legt gleich los mit dem Bau. Bei den Ausschnitten sollte man sich einfach sehr sicher sein, wo was hinkommt. Wenn das Loch mal drin ist, ist es drin und man kann spätestens dann nichts mehr ändern. Auch werden die Sandwichplatten durch Ausschnitte instabil, speziell wenn diese sehr groß sind und nahe am Rand der Platten sind. Da kann es schon auch sicherer sein, die Ausschnitte erst vor Ort auszuschneiden. Das besprechen wir dann aber mit den Kunden vorab und finden eine Lösung.

Geht es um solche große Panoramaklappen gibt es Gesprächsbedarf. Hier sollte man sich von Alexander beraten lassen damit es später keine bösen Überraschungen gibt. Bei nomadcampers.de gibt es das komplette Rundumpaket. Beratung und Hilfe vom Entwurf bis zum fertigen Produkt.

Roger :

Ihr liefert also alle Materialien zum Kleben in ausreichender Menge mit?

Alex Mehler:

Ja, wir liefern, wie schon gesagt, das komplette Klebesystem bestehend aus verschiedenen Klebstoffen sowie Reinigern und Primern. Das Klebesystem ist bei so einem Kabinenbau natürlich extrem wichtig und Grundlage dafür, dass man sich etwas bauen kann was auch hält. Bei uns ist da alles zusammen auf die Anwendung und das Material abgestimmt und erprobt und der Kunde hat da einfach etwas, das zusammenpasst und funktioniert. Aus der Erfahrung der eigenen Kabinenfertigung und auch der gelieferten Bausätze schnüren wir ein Paket, welches ausreichen sollte, um die Kabine zu bauen. Aber das ist ehrlich gesagt auch echt schwierig, da hier natürlich auch der Verbrauch sehr stark vom Verbraucher abhängt Manche Kunden haben nach dem Kabinenbau noch Material übrig, das dann aber auch für den Innenausbau usw. noch verwendet werden kann. Es wird also in der Regel früher oder später dann doch aufgebraucht. Wieder andere bestellen immer wieder nach, wo wir uns dann fragen, wo das alles überhaupt hin geht, ganz nach dem Motto „ viel hilft viel“. So oder so, wenn’s mal nicht reicht, kann einfach nachbestellt werden und wir liefern was es braucht, um weiterbauen zu können.

Roger:

Was muss man können, wenn man solch eine Kabine selbst kleben will? Kann das jeder? Und was benötigt man für Werkzeug?

Alex Mehler:

Wir haben da ein wirklich sehr buntes Aufgebot an Bausatzkunden. Da ist eigentlich alles dabei, jüngere oder vom älteren Semester, vom Handwerker über den Schreibtischmenschen usw. Wir sind auch immer wieder erstaunt und begeistert, was für großartige Arbeit da geleistet wird, so wie bei Heike und Matthias und mittlerweile vielen andern Kunden, die bei uns Bausätze bestellen. So eine Kabine kann man schon selbst bauen, wenn man die Zeit, einen Platz und Werkzeug dazu hat.

Roger:

Als ich damals zum Interview Termin nach Siegen gefahren bin, habe ich bei Matthias und Heike eine große Werkstatt erwartet. Und ich war total erstaunt, dass die Beiden die Kabine unter ihrem Carport zusammengebaut haben. Hut ab ! Und sie ist toll geworden. Wir haben ja heute noch Kontakt und ich habe sie mir ja schon mehrfach angeschaut.

Alex:

Sicherlich hilft einem, wenn man auch mit etwas handwerklichem Geschick gesegnet ist. An Werkzeug braucht es als Grundausstattung normale Handmaschinen wie Akkuschrauber, Tauchsäge, Stichsäge und Schleifer etc., was viele eh schon besitzen und im Keller liegen haben. Wenn sich jemand entscheidet, eine Kabine selbst zu bauen, kann das ja viele unterschiedliche Motivationen haben. Die einen wollen einfach ihr Budget schonen, die anderen nicht so lange auf eine fertige Kabine warten und wieder andere haben einfach Lust auf so ein Projekt und die Herausforderung so etwas selbst zu machen. Oder von jedem ein bisschen was… egal aus welchem Grund, unsere Bausatzkunden begleiten wir sehr eng von Anfang bis Ende, planen gemeinsam und geben Feedback, wenn uns etwas auffällt, was wir ggf. ändern würden. Da profitiert der Kunde von unserer Erfahrung aus Kabinenbau und Sandwichfertigung, sowie von eigenen Reisen, und bekommt eben alles aus einer Hand inkl. Support bei Planung und Bau etc. Wir können so vielleicht auch den einen oder anderen Fehler vermeiden, der sonst schmerzen oder auf ewig stören würde. Es ist für uns auch selbstverständlich, dass wir immer ein offenes Ohr für unsere Bausatzkunden haben und auch nach der Lieferung kann man anrufen und sich erkundigen, wenn man mal etwas unsicher ist oder ein Problem hat.

Roger:

Kann man bei euch auch fertig montierte Leerkabinen bekommen?

Alex Mehler:

Ja, wir bauen natürlich auch fertige individuelle Leerkabinen mit Fenstern, Klappen, Türe und Dachhauben sowie Innenwänden usw. auf fast alles was man uns hinstellt. Damit hat bei uns alles angefangen. Ebenso bieten wir die passenden Hilfsrahmen und Heckträger, bauen flexible Durchstiege und bieten auch die Lackierung der Kabine in Wunschfarbe an.

Eine fertige Kabine verlässt den Hof von nomadcampers.de.

Roger:

Kann man denn beziffern wie der Preisunterschied von einem Bausatz zu einer fertig montierten Kabine liegt? Wie hoch liegt der Spareffekt für den Kunden wenn er selbst die Kabine klebt..?

Alex Mehler:

Da wir Kabinen und Bausätze individuell auf Kundenwunsch bauen, ist der Preis für beides schwer pauschal zu beziffern, das richtet sich nach Materialauswahl, Größe, Form, Aufwand usw. Gerade in dieser Zeit kann man sich kaum trauen, irgendwelche Preisangaben zu machen da sich Preise von Vormaterialien und Zukaufteilen von heute auf morgen und ständig ändern. Wir kalkulieren daher jeden Auftrag individuell und kommen dann zu einem Endpreis. Beim Bausatz ist dann immer die Frage wie weit wir diesen bearbeiten sollen und was so alles dazu kommt an Zubehör usw. Bei den Bausätzen ist der Anteil an Mannstunden natürlich aber deutlich geringer als bei fertigen Kabinen. Der Bausatzkunde spart also das, was ein Leerkabinenkunde an Arbeitszeit bezahlen müsste und das ist in der Regel schon ein erheblicher Kostenanteil.

Roger:

Wenn man sich den Markt so anschaut kann man schnell den Überblick über die Qualitäten verlieren. Da ist von XPS Schaum und Polyurethan, PET Hartschaum, Wabenstrukturen usw. die Rede. Und dann mit verschiedenen Raumgewichten. Was würdest du für einen Schaum als Zwischenlage speziell für eine Alkovenkabine für einen offroad tauglichen Pickup empfehlen? Wo liegen die Vor- und Nachteile?

Alex Mehler:

Das ist sicherlich für jemanden, der sich nicht so mit der Materie auskennt, etwas schwierig, wenn man ein Datenblatt oder ein Angebot vor sich hat und da das ganze Fachlatein liest. Das alles aufzudröseln würde den Rahmen wohl jetzt etwas sprengen. Grundsätzlich haben alle Materialien so ihre Eigenschaften mit Vor- und Nachteilen. Von dem her gibt es leider nicht die eine Master-Lösung, bei der man sagen könnte, das ist es und alles andere taugt nichts… Man muss aus unserer Sicht das richtige Material oder die richtige Materialkombination für die richtige Anwendung einsetzen. Wir verwenden für unsere Aufbauten PU-Hartschaum in RG40 oder RG50 der leicht ist, einen sehr guten Dämmwert hat und von den Kosten her passt. Den verwenden wir natürlich nicht nur für Pickups sondern für alle Aufbauten. XPS ist druckbeständiger und auch leichter als PU aber hat Nachteile, wenn es um Hitzebeständigkeit geht. Wabenkerne sind super robust und druckbeständig aber haben einen deutlich schlechteren Dämmwert. Wie schon erwähnt, befassen wir uns intensiv damit, verschieden Materialien zu kombinieren, um die guten Eigenschaften zusammenzubringen und eine bessere Sandwichplatte daraus zu machen. Da sind wir auch immer auf der Suche nach neuen Materialien, die man kombinieren kann und führen damit Versuche durch, was diese und jene Materialkombination so kann und was sehr spannend ist. Kombiniert man zum Beispiel einen PU-Schaumkern mit einer dünnen Wabe erreicht man eine gut gedämmte Wand durch den PU und die Wabe sorgt für eine deutlich erhöhte Druckbeständigkeit. So kann man leichte Sandwichplatten produzieren, die trotzdem sehr stabil sind und im Gelände oder auf Reisen etwas abkönnen. Das nennt sich bei uns „Anti-Shock“ und dies bieten wir als optionale Flächeneinlage an.

PU Schaum mit einer Wabenauflage ergeben schon mal eine gut gedämmte Wand mit erhöhter Druckbeständigkeit

Dann gibt es noch eine weitere optionale Flächeneinlage, die sich Anti-Impact nennt. Das ist dann eine faserverstärkte PP-Kompaktplatte, die allein oder in Kombination mit Anti-Shock verbaut werden kann. Ich habe mir da eine kleine Demo einfallen lassen und habe an der Messe, falls du es gesehen hast, eine Stahlkugel auf unsere Plattenmuster geworfen. Ohne Wabe schlägt die Kugel beim ersten Aufprall einfach durch die Deckschicht und reißt ein Loch, mit der Wabe hat die Platte nur einen kleinen Abdruck und ich habe das auf der Messe sehr oft gemacht. Die Platte sah dann zwar nicht mehr einwandfrei aus, aber war bei Messeschluss immer noch intakt. Ein Kunde hat das jetzt noch getoppt und hat auf YouTube ein Video gepostet, in dem er mit einem alten rostigen Vorschlaghammer auf unserem Plattenmuster mit Anti-Shock und Anti-Impact herumschlägt. Das zeigt einfach, was man mit solchen Materialkombinationen an Stabilität und Widerstandsfähigkeit aus einer Sandwichplatte herausholen kann ohne übermäßig schwer zu werden. Auch kombinieren wir bei Böden verschiedene Materialien. Untenliegend kann z.B. mit einer dünnen Lage Anti-Shock in Kombination mit einem XPS-Kern eine sehr druckfeste Lage hergestellt werden. Auf diese untere Lage kommt dann eine weitere Lage aus PU-Hartschaum für gute Dämmwerte usw.

Sandwichplatte ist nicht gleich Sandwichplatte und von außen ist der Unterschied nicht erkennbar: Diverse Einlagen schützen vor äußeren mechanischen Einflüssen. Links sieht man jetzt noch eine weitere Einlage Anti-Impact. Die Platte wird noch widerstandsfähiger gegen äußere Einflüsse. So versteht man auch die Preisunterschiede bei den diversen Kabinenbauern. Ein echter Vergleich ist für den Endkunden äußerst schwierig.

TIPP:

In dem Blog von Reiseziege.com von Karen und Uwe geht es um den Bau eines Expeditionsmobil. Uwe zeigt in seinem YouTube Video eindrucksvoll wie haltbar und widerstandsfähig die Sandwichplatten sein können.

Video von Reiseziege.com

Stichwort Delamination:

Delamination (Enthaftung) bezeichnet das sich-Ablösen von Schichten in Werkstoffverbunden bzw. Laminaten, z. B. in Faserverbundwerkstoffen.(Wikipedia)

Wer also glaubt er könne mal eben Sandwichplatten selbst bekleben, der wird oft später des Besseren belehrt. Hier bedarf es viel Erfahrung und Know-How. Was zum Anfang oft noch gut aussieht, kann sich später einmal bitter rächen: Wenn sich durch unsachgemäßes Arbeiten, falsche Materialien oder nicht kompatible Kleber die Sandwichplatten später delaminieren wird es teuer. Das heißt die einzelnen Schichten lösen sich im laufe der Zeit wieder ab. Die Kabine hat dann oft nur noch Schrottwert. Hier müssen Ausdehnungskoeffizienten der unterschiedlichen Materialien, Hitzebeständigkeit der Kleber und vieles mehr streng beachtet werden. Das Thema sollte man lieber den Profis überlassen!

Roger:

Als Oberfläche wird ja in der Regel GFK angeboten. Was für eine Deckschicht für Innen und Außen empfiehlst du bei einer Pickup Alkovenkabine?

Alex Mehler:

Auch hier kann man, denke ich, nicht so wirklich eine pauschale Aussage dazu machen was gut und schlecht ist. Bei allen Pickups ist natürlich immer ein Thema, dass es möglichst robust und unempfindlich sein soll und zum anderen leicht. Da gilt es, einen Kompromiss zu finden, der zu dem passt was der Kunde braucht. Generell verwenden wir als Außendeck sehr viel moderne GFK-Deckschichten mit Gewebe oder Gelege, die gute technischen Werte aufweisen. Mit einer dünnen Gewebedeckschicht lässt sich eine Sandwichplatte herstellen, die leicht ist, aber bei den technischen Werten einer dickeren, aber schwereren normalen Deckschicht sehr nahekommt. Kommt dann zusätzlich zu dieser dünnen Gewebe- oder Gelege-Deckschicht z.B. noch eine Wabe ins Spiel, kann man eine leichte und sehr stabile Sandwichplatte herstellen. Wie dünn man da werden kann, hängt davon ab was der Kunde erwartet in Sachen Gewicht und Stabilität. Im Innenbereich muss es nicht zwingend eine Gewebe- oder Gelege-Deckschicht sein, da hier weniger mechanische Belastung zu erwarten ist. Wir verwenden für den Innenraum gerne weiss matte Deckschichten, da diese ein besseres Raumgefühl bieten als Hochglanz-Decks, die immer etwas steril aussehen. Hier haben wir zum Beispiel eine neue Qualität, die bei uns ab sofort Standard als leichte Innendeckschicht für z.B. Pick-Ups und die 3,5 to- Klasse etc. ist. Diese Deckschicht ist mit 0,7mm dünn und leicht, ist mit einem Feingewebe verstärkt, kommt auch in weiss matt und in sogenannter LE-Qualität. „LE“ steht für Low Emission und diese Deckschicht dünstet durch eine spezielle Herstellungsweise weitaus weniger aus als herkömmliche Decks. So hat man den typischen GFK-Geruch im Innenraum nicht.


Bild von Helene und Simon / viajamaosconelviento.com

www.viajamosconelviento.com

In 2019 unternahmen Simone und Helene mit einer Kabine von nomadcampers.de eine große Südamerika Rundreise. Dabei sind traumhafte Bilder entstanden. Anfang 2022 wird eine kleiner Bericht  auf wohnkabinen.online erscheinen. Wer Lust hat, kann sich auf ihrer Webseite und Blog über die traumhafte Tour schon einmal ein Bild machen: www.viajamosconelviento.com


Hier ein paar Eckdaten zur Kabine von Simon und Helene:

GFK-Sanwichpaneel:

Adventure, ein robustes Sandwichpaneel für Offroad und Expeditionsfahrzeuge

L= 4200 mm B= 2000 mm H= 2000 mm Alkoven: L= 1600 mm H= 1045 mm

Paneelstärken:

Dach/Stirn/Heck/Seitenwände: 35 mm +3,5 mm PP-Core-Wabe

Boden: 40 mm + 6,5 mm Multiplex + 1,5 mm GFK AntiSlip „Style“ GFK-Bodenbelag

Deckschicht:

Außen: 1,1 mm PowerStar

Innen: 1,2 mm Performance plus weiß matt Schaumkern: Polyurethan-Hartschaum Typ: ADR RG 40

Leergewicht: ca. 380 kg  (incl. Einlagen, Türe, Fenster, Klappe )

Bild von Helene und Simon

Unfreiwilliger Härtetest

Das die Kabinen von nomadcampers.de wirklich robust sind, mussten die Beiden schmerzlich erfahren. Ein PKW fuhr ihnen 2019 in Villa Frontera,  etwas nördlich von Arica in ihre Wohnkabine. Da bewährten sich die stabilen Aluminium Kalotten. Simon konnte sie wieder richten und den Rest erledigte eine örtliche Werkstatt. Hier bewährte es sich, das Simon und Helene auf eine stabile Kabinenbauweise von nomadcampers.de gesetzt haben. Die ganze Story zum nachlesen gibt es hier: www.viajamosconelviento.com/blog


Helene und Simon haben atemberaubende Bilder von der Süd Amerika Reise mit der Kabine von nomadscampers.de mitgebracht.(Bild Helene und Simon)

Roger :

Und zu welchen Stärken würdet ihr raten? Seitenteile, Boden, Dach?

Alex Mehler:

Für Pickups haben sich Wandstärken von 30 bis 40 mm bewährt. Je dicker so eine Wand ist desto besser ist der Dämmwert. Je dicker die Wand desto größer wird die Kabine allerdings auch oder man hat im Innenraum weniger Platz. Hier schauen wir uns auch gemeinsam mit den Kunden an, wo die Reisen hin gehen sollen und was der Kunde für Wünsche hat. Viele denken da auch immer nur an den Winter und ans Heizen, wenn von dicken Wänden gesprochen wird. Im Sommer bleibt aber natürlich eine Kabine mit dickeren Wänden auch eher kühl. Die Böden sind von Haus aus schon immer etwas dicker als die Wände, da die ja das ganze Gewicht tragen müssen und auch eine zusätzliche Schicht brauchen, die den Boden steif und begehbar machen. Hier ist man bei den Pickups normalerweise so um die 45 bis 50 mm.

Mosel oder Süd Amerika? In den Reisezielen bestehen unterschiedliche Ansprüche an die Kabine, die Alexander zur Planung wissen muss.

Roger:

Das größte Problem bei den Wohnkabinen auf  EU-Pickups ist ja das Gewicht. Man versucht ja ohne Auflastung hinzukommen, aber oft bleibt nur der Schritt auf die max. 3,5 Tonnen zu gehen. Wie schwer wird so eine Alkoven Leerkabine für einen Ford oder Toyota 1,5 Kabiner wiegen? Sagen wir in der Art wie Heike und Matthias Rickert sie gebaut haben.

Alex Mehler:

Bei einer Leerkabine in der Größe und Auslegung als Absetzkabine von Heike und Matthias liegt man so um die 300 kg Leergewicht, würde ich schätzen. Die beiden sind, glaube ich, reisefertig bei ca. 3200 kg gelandet, was schon in Ordnung ist bei so einer schicken, geräumigen und gut ausgestatteten Absetzkabine. Da bleibt dann bei 3,5to zulässigem Gesamtgewicht noch was an Zuladung übrig und man ist nicht schon bei Start der Reise völlig überladen und fährt mit überlastetem Fahrzeug los. Wenn es sein muss, geht das aber auch leichter. Bei dieser Kabine wurden einige Verstärkungen, z. B. im Heck sowie in den Seitenwänden für die Hubstützen vorgesehen, die sich auch auf das Gewicht niederschlagen. Ebenso gibt es inzwischen noch leichtere Deckschichten, die das Gewicht dementsprechend noch weiter runterbringen können. Auch beim Boden ließe sich durch neues Material noch das eine- oder andere Kilo finden. 

Baut ihr einen Innenrahmen als Grundgerüst oder andere Verstärkungen ein und wie werden die Platten verbunden?

Alex Mehler:

Wir verwenden für unsere Bausätze und Kabinen für alles was 90°-Ecken sind GFK-Winkel, außen wie auch innen. Die Außenwinkel sind Pflicht, die Innenwinkel sind Option, die so eine Kabine maximal stabil machen. Alles was nicht 90° hat, fertigen wir aus weiss gepulvertem Alublech, welches dann auf den gewünschten Winkel abgekantet wird. Wir gehen so vor, dass wir erst alle Sandwichplatten miteinander verkleben und dann die ganzen Ecken mit GFK- und Aluwinkeln verleisten. Die Winkelstöße werden dann mit zu den Winkeln passenden formschönen Alu-Eckkappen überdeckt und verstärkt. Wir haben uns zu Anfang natürlich mit dem Thema auseinandergesetzt, wie wir unsere Kabinen bauen wollen und da gibt es ja bekanntlich viele Wege nach Rom. Irgendwie hat mir aber von Anfang an das stumpfe Verkleben der Sandwichplatten nicht so gefallen und daraus ist dann die Idee gewachsen, alle Platten auf Gehrung zu schneiden und so zu verkleben. Die Logik dahinter ist simpel, Klebefläche schafft Stabilität und bei den Gehrungen kann man fast die komplette Schenkellänge des Winkels auf der Kabine als Klebefläche auf der GFK-Platte nutzen. Beim stumpf Verkleben muss man erst eine recht große Schaumkante überdecken, auf der so eine Klebung einfach nicht wirklich was hält.

Alle Verbindungen werden 45° angeschnitten und außen und auf Wunsch auch innen mir GFK Winkel beklebt.

Roger :

Die Platten benötigen ja Einlagen an den Stellen wo Stoßdämpfer für Klappen oder Kanister Halter etc. hinkommen. Wird so etwas automatisch von euch berücksichtigt? Oder muss der Kunde das anzeigen? Aus welchem Materialien werden die Inlays gefertigt?

Dort wo Stützen oder Fahrradträger oder andere schwere Teile installiert werden sollte ein Inlay berücksichtigt werden.

Wenn massive Teile montiert werden, sollte man im Inneren Vorbereitungen treffen.

Alex Mehler:

Für solche Dinge wie Halter für Gasdruckdämpfer sehen wir in der Regel keine Einleger vor, das lässt sich auch anders lösen. Wir sehen Einleger oder Verstärkungen an den Stellen vor, wo der Kunde ggf. etwas Schweres an der Wand befestigen will wie z.B. einen Träger für Fahrräder oder Equipment am Heck, an der Seitenwand für Markisen usw. Auch können wir zur Abstützung der Alkoven Verstärkungseinleger vorsehen. Ob und was ggf. an Einlegern verbaut werden soll, fragen wir bei den Beratungsgesprächen in der Planungsphase ab. Dann muss uns der Kunde mitteilen, wo was genau hin soll. Bei den Einlegern ist es aber so, dass diese so eine Sandwichplatte schon aufwendiger und damit auch teurer und schwerer machen. Braucht eine Kabine viele Einleger wird das schnell zu einem großen Puzzle und dauert länger in der Vorbereitung und auch beim Belegen des Presstisches. Hier gilt also, Einleger nur da und so viele wie nötig. Vom Material her gibt es auch wieder eine Vielzahl von Möglichkeiten. Der Klassiker ist Multiplex oder Alu. Wir haben hierfür nun seit einer Weile verschiedene Einleger aus hochverdichtetem HD-PU im Einsatz. Die lassen sich gut verarbeiten, man hat mit Polyurethan dasselbe Material in der Wand, ist holzfrei unterwegs und damit kann einfach nichts gammeln und obendrein hat dieses Material auch erstaunliche Schraubenauszugswerte.

Roger:

Wenn die Kabine direkt auf den Rahmen geschraubt wird, müssen ja verstärkte Teile im Boden eingelassen werden. Wie löst ihr sowas?

Alex Mehler:

Auch hier gibt es wieder verschiedene Möglichkeiten. Wir verwenden in Böden Aluminiumrohre, Multiplex oder ebenso von dem hochverdichteten HD-PU, je nachdem, was der Kunde möchte und vorhat. Die meisten entscheiden sich für einen Boden mit einlaminierten Multiplex- oder HD-PU-Einlegern und eingelassenen hochfesten Aluplatten. Die Einleger werden von uns immer mittig über den Trägern des Hilfsrahmens oder des Fahrgestells vorgesehen. Mittig über den Montagebohrungen werden dann die hochfesten Aluplatten in die Einleger eingelassen. So kann man eine Bodenplatte auf dem Fahrgestell oder Hilfsrahmen ausrichten und die Positionen eins zu eins von unten in die Aluplatte abbohren und Gewinde schneiden. Toleranzen können damit sehr gut ausgeglichen werden, da die Aluplatten größer ausgelegt sind und es so keine Rolle spielt, ob das Loch ein paar Millimeter hier oder da liegt.

Roger:

Muss eine GFK-Kabine zwingend lackiert werden?

Alex Mehler:

Nein, eigentlich nicht, außer die Winkel. Die Sandwichplatten kommen einfach immer in weiß, sind bei uns immer witterungsbeständig und UV-stabil und müssen daher grundsätzlich nicht lackiert werden. Leider haben aber die GFK-Winkel keinen Witterungsschutz und diese müssen zwingend lackiert werden da sich diese ansonsten verfärben und auch mit der Zeit porös werden. Manche Kunden lackieren also nur die Winkel und Eckkappen und lassen die GFK-Wände weiß. Bei Kabinen, die lackiert werden, lassen wir meistens Dach und Boden weiß, da dort die Lackierung nicht wirklich notwendig und weiß wegen Hitzeeinwirkung die beste Farbe ist. 

So ein Anstrich macht auch optisch was her, hat aber auch eine Schutzfunktion. Aber Achtung! Es gibt es auch seitens der Plattenhersteller Hinweise, welche Art von Farben und auch welche Farbtöne empfehlenswert sind. Dunkle Farben „ziehen die Hitze an“. Es könnte zu viel Hitze entstehen und die Platten schädigen. Weiß und helle Farbtöne helfen gegen die Hitzeeinwirkung. (Bilder Heike und Matthias Rickert )

Roger:

Könnte man auch einen Innenausbau bei euch mitmachen lassen?

Alex Mehler:

Den Innenausbau bieten wir derzeit selbst noch nicht an. Dafür haben wir trotz neuer Halle schon fast wieder etwas zu wenig Platz und auch nicht die Kapazitäten. Vielleicht wird das irgendwann einmal ein Thema, aber noch nicht heute und morgen. Was wir mittlerweile aber haben sind Leichtbau-Möbelplatten, welche Kunden für den Innenausbau mitbestellen können. Es ist ja nicht damit getan, leichte Sandwichplatten herzustellen, mit denen man leichte Kabinen bauen kann. Auch für den Innenausbau braucht man das richtige Material, um nicht zu schwer unterwegs zu sein. Wenn aber jemand Interesse hat an einem Innenausbau können wir sicher Kontakte zu befreundeten Partnerfirmen herstellen, die dann ggf. den Innenausbau anbieten könnten. 

Roger:

Was benötigt ihr um dem Kunden ein Angebot zu erstellen. Reicht da erst mal eine Handskizze?

Alex Mehler:

Je besser die Informationen sind, die wir bekommen, desto besser oder passender können wir natürlich auch unsere Angebote ausarbeiten. Da kommen zum Teil immer mal wieder Anfragen nach dem Motto „was kostet bei Euch eine Kabine?“…das war‘s. Mit so einer Anfrage können wir natürlich nicht wirklich etwas anfangen, da wir ja nicht nach irgendeinem Standard bauen, sondern individuell und nicht riechen können, was der Kunde will und braucht. Da sollte sich der Interessent dann schon auch die Mühe machen und formulieren, was er möchte. Aber im Grunde reicht eine einfache Handskizze mit ein paar Maßen und der gewünschten Form für eine erste Preisorientierung. Dazu noch einige Worte für was für ein Fahrzeug und zul. Gesamtgewicht die Kabine vorgesehen ist, was man vorhat, welche Reiseziele es sein sollen und was einem sonst noch wichtig ist.

Umso detaillierter die Zeichnung des Kunden, um so verbindlicher kann Alexander das Angebot erstellen. (Zeichnung von Matthias Rickert)

Roger:

Wie sind aktuell die Lieferzeiten für einen Bausatz oder alternativ einer Leerkabine.

Alex Mehler:

Bei Bausätzen liegt die Lieferzeit grob zwischen 4-8 Wochen abhängig davon, was alles bestellt wird, ob wir das gewünschte Material lagernd haben und auch wie die Lieferzeiten von Zukaufteilen usw. gerade sind. Auch wir haben natürlich im Moment Probleme, das nötige Material und fixe Liefertermine zu bekommen, aber das ist für alle aktuell dasselbe Spiel. Bei Leerkabinen sind wir grob bei einem halben Jahr Vorlaufzeit angekommen. 

Roger:

Dann danke ich dir für die Interessanten Einblicke in die Welt des Kabinenbaus. Es waren für mich und ich denke auch für unsere Leser, viele wichtige Informationen dabei. Vielleicht lässt sich der ein oder andere dazu ermutigen mit dem „Abenteuer Kabinenbau“ zu beginnen.

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