Messerundgang Abenteuer Allrad Bad Kissingen 2021

Kann das funktionieren? Eine Open Air Messe Ende Oktober?  Wo die meisten Reise Enthusiasten schon ihr Mobil winterfest gemacht haben oder Richtung Süden zum Überwintern unterwegs sind? Wo es ab 18.00 Uhr schon dunkel wird und um 9 Uhr erst wieder hell. Und die nächtlichen Temperaturen schon Richtung 0° tendieren ? Auf der anderen Seite spricht auch vieles dafür: Endlich wieder -nach fast zwei Jahren Abstinenz-  Gleichgesinnte treffen und die Neuheiten der Offroad Szene anschauen. Die Leute sind heiß, endlich wieder die größte Offroad Messe Europas zu besuchen. Trotz der allgegenwärtigen Corona Schutzmaßnahmen.

So lautet der diesjährige Slogan treffend doppelsinnig:

„Mit Abstand. Unerreicht.“

Und dieses Jahr ist vieles anders. Selbst einige alteingesessene Händler findet man nicht an den gewohnten Stellen. Dafür viele Neue. Aber dazu später. Wer es nicht zur Messe geschafft hat, der kann sich hier über die Neuigkeiten der Pickup Camper Welt informieren. Und natürlich darf ein Rundgang über dem Campground nicht fehlen. Denn da stehen oft die wahren Highlights.

Der Campground

Zwar keine Kabine auf EU Pickup, aber ein Hingucker.

Leider kommt es wie ich es befürchtet habe: Petrus hat kein Einsehen mit den Offroadern und es ereilt mich am Donnerstagmorgen die Nachricht, dass der Messebetrieb für den Tag eingestellt wird. Das Sturmtief Ignatz hat jetzt das Kommando übernommen. Im Camp Ground haben einige Offroader einen Schutzengel, als eine Eiche umstürzt. Es bleibt Gott sei Dank bei einem Blechschaden. Und am Messegelände versucht man seine ausgestellte Ware vor dem Sturm zu retten und sich selbst in Sicherheit zu bringen.

Glück im Unglück. Eine Eiche stürzte ins Camp. Es gab nur einen Blechschaden an einem Fahrzeug. Dafür gab es dann genügend Feuerholz für die kalten Nächte.

Samstag morgen startet die Messe mit herrlichem Herbstwetter

Im Campground  sieht man auffallend wenige Dachzelt Camper, dafür sind die großen Expedition LKWs in der Überzahl. Wo gestern noch eine Wiese war, zeigt sich heute nach heftigen Regenfällen nur noch ein pampiger Matsch. Dementsprechend gestaltete sich für manchen Gast die Rückreise als schwierig.

Aber für die meisten Geländewagen kein Problem. Wir befinden uns nun mal auf einer Offroad Messe. Spannend ist es zu beobachten, wie selbst schwere Expeditionsmobile schon auf gerader Strecke im Schlamm an ihre Grenzen kommen. Und die Womos sowieso.

Nicht nur die Womos hatten ihre Probleme – selbst große Expeditionsmobile kommen an ihre Grenzen. Das Publikum hat seinen Spaß

Ohne weiteren Kommentar :-)

Von den Logenplätzen einer restaurierten Bimobil Kabine lässt sich das Spektakel gemütlich beobachten.

Wer pünktlich um 10.00 Uhr am Messegelände sein will, muss früh starten. Die Schlange die sich am Busshuttle bildet ist beachtlich. Freitagmorgen soll es einige Probleme bei der Anfahrt gegeben haben. Samstag was es kein Problem und top organisiert. Das es Wartezeiten gibt, liegt nun mal in der Natur der Sache bzw. an der Örtlichkeit. Wenn tausende Menschen gleichzeitig mit Bussen um 10.00 Uhr zum 6km entfernten Messegelände wollen, bleibt es nicht aus das es manchmal stockt. Und abends gegen 17.00 Uhr wiederholt sich das Spektakel. Nur anders herum.

TIPP: Es macht auch Sinn die Strecke zur Messe mit dem Fahrrad zu fahren. So spart man sich das Warten an den Bussen. Die ca. 6 km hat man schnell abgeradelt. Ganz sportliche gehen zu Fuß. Hier sollte man eine gute Stunde in Kauf nehmen. Und es geht permanent bergauf.

Mit Standheizung macht es auch bei kalten Temperaturen Spaß im Fernweh Mobil zu campen.

Der frühe Vogel kommt pünktlich zur Messe

Gemütliches Frühstück im Fernweh Mobil

Im Campground sieht man die tollsten Ideen und Fahrzeuge. Hier vermutlich ein Eigenbau

Eine Tischer Kabine mit einem Ranger im Rallye Look macht was her.

Selbst auf gute Deko wird geachtet: Halloween ist in einer Woche….

Wohl dem, der in seinem Camper eine Toilette an Board hat – der Weg zum Dixi ist eine Herausforderung.

Hier noch ein paar Eindrücke

Die Messe

Und dann geschieht das, womit ich überhaupt nicht gerechnet habe: Menschenmassen strömen trotz der Widrigkeiten Richtung Messegelände in Bad Kissingen. Am Freitag kommt es zu einem erhöhten Aufkommen mit langen Wartezeiten, weil der Donnerstag ja gecancelt wurde. Also doppeltes Menschenaufkommen. Da gab es dann im Netz auch einige kritische Stimmen und man hörte von Gästen die wieder gefahren sind, weil es kein Durchkommen gab. Am Samstag verläuft der Bustransfer zur Messe wieder gut. Selten habe ich das Messegelände so voll gesehen. Für mich völlig überraschend. Die Händler freuts.

Damit hatte ich nicht gerechnet: Trotz widrigem Wetter und Corona Maßnahmen pilgern die Massen wie noch nie zur größten Offroad Messe Europas. Trotz einer Ausstellungsfläche von 110000 qm wird es an manchen Stellen eng.

Insgesamt bieten 350 Aussteller ihr Sortiment an. Mein Augenmerk liegt beim Messerundgang natürlich wie immer auf den Wohnkabinen, Absetzkabinen und Pickup Camper.

Die Firma Tischer Freizeitmobile präsentiert ihren neuen Alkoven. Sehr gelungen wie ich finde. Und laut Hersteller ist es sogar gelungen die Preise für das ein oder andere Zubehör zu senken. Entgegen dem allgemeinen Trend in der Branche. Geprüft habe ich die Aussage allerdings noch nicht. Wer sich für Tischer Kabinen interessiert findet in meinem Bericht „Willkommen bei Tischer“ ein Firmenportrait.

Hochbetrieb bei der Khaja Kabine von Alu Cab. Importiert wird die Kabine von Genesis Import aus Südafrika. Der Khaja Camper ist komplett aus Aluminium gefertigt und für Overlander gedacht, die den Schwerpunkt auf härteres Offroad legen.

Eine Kabine mit festen Aufstellwänden mit Parallel Hubdach. Dadurch entsteht ein riesiges Raumangebot und trotzdem bleibt der Schwerpunkt niedrig. So ist sie für jedes Gelände geeignet. Ein Produkt von Impala Reisemobile.

Toll gemacht und technisch nicht so einfach zu lösen: Feste Aufstellwände an der Wohnkabine.

Goran Gale von PickUpBack.com war gleich mit mehreren autarken Offroad Reisefahrzeugen vertreten. Typisches Merkmal ist der robuste Alu Rahmen.

Sandkorn Leichtbau war mit 2 Fahrzeugen vertreten

Sandkorn Leichtbau zeigt seine ganzjährig zu nutzende Absetzkabine mit festem Aufstelldach. Auch hier gibt es bei den 4Seasons Kabinen eine Neuigkeit: Das S-Plus Modell welche für Doppelkabiner optimiert wurde. Der Frontschrank wurde in der Tiefe etwas eingekürzt. So passt sie nun auf einen Double Cab Pickup, ohne auf das großzügige Raumangebot zu verzichten.

Die neue S Plus Kabine für Doppelkabiner

Das sind echte Innovationen: Made in Russia. Leider konnte ich wenig Informationen zu dieser neuen Kombi in Erfahrung bringen. Und auch die Homepage verrät nicht viel zum neuen Produkt.

Was ist das???

Das ist ein lang gehütetes Geheimnis von Tigerexped. Tagelang wurde man auf Instagram auf die Folter gespannt. Sollte es wirklich um ein außerirdisches Produkt aus einer fernen Galaxie handeln?

Martin Henning von Tigerexped hat mich aufgeklärt: Es ist sein „Baby“ und hat ihm die letzten Monate den Schlaf geraubt. Es nennt sich TEXU400 und ist eine revolutionäre elektrische Zentralversorgung für Wohnkabinen. Anstelle viele Einzelteile zu kaufen, benötigt man nur noch ein Produkt. Der Hammer: Die Platzersparnis gegenüber einzelnen Komponenten liegt bis zu 46%. Eine echte Innovation für die Selbstbauer unter uns. In Kürze ist das Ufo in größeren Stückzahlen zu bekommen. Bis jetzt sind es noch Vorserien Exemplare um sie pünktlich auf der Messe zu präsentieren. Das ist ein Teil was man sich merken muss und sich die Eckdaten und Vorteile mal näher anschauen sollte.

Hier mal ein Beispiel wie das Ufo von Tigerexped verbaut werden kann.

Und was ist das?

Das ist Flip90 . Eine weitere echte Neuigkeit.

Ein Wohnraum mit Stehhöhe der sich um 90° dreht und die Basiskabine somit erweitert. Der Flip wird dann zum Entree, zur Küche, zum Bad zum Umkleidezimmer oder was auch immer… Und das elektrisch und in wenigen Sekunden.

So bleibt im geschlossenen Offroad Modus der Schwerpunkt unten und man hat weiterhin einen guten Böschungswinkel. Sie ist mit 250 kg super leicht und mit knapp 230 cm Gesamthöhe noch Containertauglich

Jetzt muss es sich zeigen, ob es Käufer gibt, die sich von der klassischen Form einer Wohnkabine gedanklich trennen können und ihr Geld in eine solche innovative Neuheit investieren. Auf jeden Fall ist man damit das Highlight auf jedem Campingplatz.

Hochbetrieb bei Burow Reisemobile

Die Burow Oman gibt es jetzt optional mit einer Aluminium Dachreling mit Nute die mehrere Funktionen erfüllt. Man kann die Solaranlage darauf befestigen, die dann durch die höhere Hinterlüftung effektiver arbeitet. Seitlich kann man ein Sonnensegel einziehen. Und letztlich dient sie als Astabweiser und Lampenträger. Außerdem befindet sich nun eine Webasto Dual Top unter der Kabine und bringt so wiederum mehr Stauraum im Inneren. Und durch weitere Sparmaßnahmen im Möbelbau konnte man das Gewicht noch einmal deutlich senken. So erhöhen sich die Möglichkeiten der Zuladung.

Und auch Benno und Steffi von Cramer Technik konnten sich über regen Zulauf nicht beschweren.

Ein gewohntes Bild: Azalai Kabinen aus der Schweiz sind seit Jahren schon auf der Abenteuer Allrad Messe in Bad Kissingen vertreten

Bei der Thokie kann jetzt die Trockentrenntoilette durch die kleine Luke (rechts unten im Bild) geleert werden. Das macht das Camperleben mit einer kleinen Idee deutlich angenehmer.

Die Meister der Leichtigkeit: Alexander Mehler und sein Vater halten pausenlos Vorträge über die unterschiedlichen Bauweisen ihrer verwendeten Sandwichplatten. Bei Nomadcamper kann man Bausätze und auch fertige Kabinen bestellen. (siehe auch meinen Bericht Abenteuer Kabinenbau: Selbst ist der Mann (und Frau)

Clearview löst ein Problem der Pickup Wohnkabinen Fahrer. Sobald man eine große, breite Kabine auf sein Fahrzeug montiert hat, ist die Sicht in den Außenspiegel nach hinten eingeschränkt. Daraufhin fangen viele Fahrer mit Bastellösungen und typischen Wohnwagenspiegel an. Das hat nun ein Ende. Clearview ersetzt den normalen Spiegel und lässt sich entsprechend seitlich herausziehen und wieder einschieben wenn die Kabine wieder demontiert ist. So kann der Sicht nach hinten nichts mehr im Wege steht. Teilweise sogar elektrisch. Für viele Pickups erhältlich.

Und noch eine Innovation
Das ist die erste Seriengefertigte Kabine von Cabineer

Nachhaltiger habe ich noch keine Kabine gesehen: Die Cabineer wird aus NFK hergestellt. (Naturfaser-verstärkter Kunststoff.)
Also einem Sandwich aus Flachsfasern und Kork der in Epoxidharz auf Leinölbasis getränkt ist.

Man muss die Erde erhalten um sie bereisen zu können! Ein tolles Motto des jungen Unternehmen.

Fazit:

Um nun auf meine Erste Frage im Text eine Antwort zu geben: Ja, es hat funktioniert eine Messe im Oktober zu veranstalten. Und wie! Ich hätte nie geglaubt, dass im Oktober so ein Interesse besteht eine Outdoor Messe zu besuchen. Wahnsinn! Zeitweise hatte ich keine Möglichkeit auf Grund der Menschenmassen Fotos zu schießen und mich kurz mit dem entsprechenden Aussteller zu unterhalten. Aber ich glaube, auch die Händler freuen sich wieder auf die nächste AA im Juni – bei hoffentlich angenehmeren Temperaturen. Denn auch das Flair im Campground der letzten Jahre ist auf Grund der kalten, dunklen Jahreszeit verloren gegangen. Aber trotzdem war es eine gelungene Messe und der Fa. Prolog und allen freundlichen Helfern muss man ein Lob aussprechen, trotz der gegebenen Widrigkeiten eine solche Veranstaltung durchzuziehen. Wenn es auch hier und da etwas gehakt hat. Das Catering sollte unbedingt endlich einmal erweitert werden, damit man beim Schlange stehen nicht wertvolle Messezeit vertrödeln muss. Auch bei den Dixies gab es den ein oder anderen Stau. Und die Schlagzahl der Busse sollte erhöht werden. Aber wie schon im Text erwähnt, sind auf Grund der gegebenen Örtlichkeiten logistische Grenzen gesetzt und ohne Wartezeiten wird es bei den Massen an Menschen nicht gehen. Trotzdem hat es Spaß gemacht. Ich freue mich aufs nächste Jahr!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Heinz Vetter sagt:

    Danke für den Bericht, Roger! Wir waren zur Messezeit noch in der Toskana unterwegs und konnten die Messe daher leider nicht besuchen.

    Gefällt mir

    1. wohnkabinen sagt:

      Hallo Heinz, in der Toscana war es sicher wärmer. Das freut mich, dass ich euch mit dem Bericht einen kleinen Einblick über die Messeneuheiten zeigen kann.
      Viele Grüße
      Roger

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s