Augen auf beim Gebrauchtkabinenkauf! Ein Interview mit barfussimsand.de

Alle Bildrechte im Bericht liegen bei Evelyn und Raik von barfussimsand.de

Roger: Hallo Evelyn, hallo Raik, durch Zufall bin ich auf euren Blog www.barfussimsand.de gestoßen und war begeistert von euren Berichten. Es geht im letzten Beitrag um eine neue angeschaffte Wohnkabine. Aber dazu später mehr. Stellt euch doch erst einmal vor:

Hallo Roger, es freut uns Dir und Deinen Lesern von unserem Abenteurer Kabinenkauf zu erzählen und Sie zu ermutigen selbst anzupacken. Wir möchten uns zuerst dafür bedanken.

Raik ist selbstständiger Fotograf und liebt das Reisen und Fotografieren an den schönen Plätzen dieser Erde. Er lebt für seine Passion und organisiert Workshops und Fotoreisen. ( Wer einmal richtig tolle Bilder sehen möchte sollte unbedingt mal reinschauen: www.raiklight.de )

Ich, Evelyn, liebe das Reisen ebenso und betreibe das Bloggen als Hobby. Mein Geld verdiene ich als freiberufliche Küchenplanerin und Küchencoach.

Evelyn und Raik

Roger: Was hat dich bewegt einen Blog zu schreiben.

Ich reise sehr gerne und lasse andere Menschen gerne daran teilhaben. In Gesprächen mit Freunden ist die Zeit oftmals so kurz und all das Erlebte zu erzählen ist einfach unmöglich. Mit dem Schreiben meiner Blogbeiträge fühle ich die Reise im Nachhinein noch einmal. Gerade in Zeiten wie aktuell, tut es gut sich für einen kurzen Moment aus dem Jetzt zu nehmen. Außerdem lese ich selbst auch gerne Reiseberichte.

Roger: Ich habe bei euch viele tolle Fotos gesehen. Mit welcher Kamera fotografiert ihr?

Raik ist wie oben schon geschrieben Fotograf aus Leidenschaft und verdient damit sein Geld. Deshalb ist es ihm wichtig, ordentliches Equipment zu haben. Er fotografiert mit einer Pentax K1 – einer Spiegelreflex. Ich selbst nutze seine „ausgediente“ Canon 5D MarkII. Sie hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber reicht mir völlig aus. Ich fotografiere meist nur im Urlaub und auch nur wenn Raik mir in den Hintern tritt.

Roger: Die Bilder sind der Hammer! Ich bin total begeistert. Welche Länder sind dir in besonderer Erinnerung geblieben.

Namibia und Südafrika haben tief in mir eine Sehnsucht geweckt und mich nachhaltig geprägt. Die Tierfotografie auf dem afrikanischen Kontinent hat mich gepackt.

Roger: Wie seit ihr gereist? In Gruppen oder alleine? Backpacking oder Pauschalreisen? Interessant finde ich auch eurer Anleitung zur Einfuhr einer Drohne in Namibia. Hört sich recht kompliziert an….

Wir waren noch nie die Gruppenreisenden. Unsere ersten gemeinsamen Reisen waren zwar geführt, aber davon sind wir irgendwann weggekommen. Als Fotograf ist man bei Gruppenreisen immer zum schlechten Licht unterwegs, oft der Letzte und hält damit die ganze Mannschaft auf. Deshalb bevorzugen wir es individuell zu Reisen. Für größere Reisen verbringe ich Wochen bzw. Monate damit Reisevideos zu schauen oder Reiseführer zu lesen, um dann die Tour selbst zu planen und zu organisieren. Raik kümmert sich dann darum, wo und zu welchem Licht die besten Fotos zu machen sind ;) Meist haben wir ein Auto gemietet und fahren dann drauf los. 

Die Einfuhr von Drohnen in Namibia wird immer schwieriger, weshalb wir sie auch nicht mehr so oft dabei haben. Der bürokratische Aufwand ist – zurecht – hoch. Als Fotograf hat man oft eh viel zu viel Gepäck und am Schluss kommt es auf jedes Gramm an.

Roger: Wie seit ihr dann auf die Idee gekommen eine Wohnkabine zu kaufen?

Der Ursprung dieser Idee war in Namibia, was wir mit einem Pick Up und Dachzelt bereist haben. Wir hatten die erholsamsten Nächte damit und es gab uns sehr viel Freiheit. Mein größter Traum ist es noch immer mit einem etwas größerem Fahrzeug ein halbes Jahr oder mehr durch Afrika zu reisen. Ich hatte einfach den Narren daran gefressen, mit meinem eigenen Untersatz zu reisen. Es hat etwas gedauert, bis ich Raik endgültig überzeugen konnte.

Bis zur ersten Tour sollte es etwas dauern….

Roger: Warum ausgerechnet eine Wohnkabine? 

Für ein Expeditionsmobil reichte unser Budget bei Weitem nicht aus. Der Gedanke in Europa in einem Dachzelt zu schlafen, gefiel uns nicht. Deshalb wurde es dann die Wohnkabine.

Roger: Die Suche war etwas holprig wie ich gelesen habe, zumal ihr euch am Anfang noch nicht auf eine Fahrzeugart festgelegt hattet. Ich glaube der Gebrauchtwagenmarkt im Camperbereich ist ganz schön überhitzt. Das heißt wenige Fahrzeuge werden zu utopischen Preisen angeboten. Könnt ihr das bestätigen?

Der Gebrauchtmarkt ist echt verrückt. Es gibt wenig und es ist gnadenlos überteuert. Und dazu besteht die Gefahr, wenn Du nicht richtig viel Kohle auf den Tisch legst, das zu bekommen, was wir jetzt haben.

Roger: Darf man fragen mit welchem Budget ihr gesucht habt? 

Bevor wir uns mit dem Markt auseinander gesetzt haben, hatten wir völlig falsche Vorstellungen. Somit musste entweder unser Traum weichen oder wir mussten den Geldbeutel etwas mehr öffnen. Anfänglich träumten wir von einem Invest im Bereich von 15.000,-. Letztlich stockten wir unsere Vorstellungen auf fast das Doppelte auf.

Roger: Was hattet ihr für einen Lastenheft bei der Suche? Was musste die Kabine können bzw. haben?

Uns war es wichtig, dass die Sitzgruppe nicht jeden Abend zum Bett umfunktioniert werden muss. Wir wollten ein Bett, in dem man gemütlich nebeneinander liegen konnte. Da wir beide sehr gerne Essen und Kochen, war es uns auch wichtig eine Kochmöglichkeit zu haben, um nicht bei jedem Wind und Wetter draußen kochen zu müssen. Ich persönlich wollte nicht auf die Toilette verzichten. Beim letzten Mal, als wir zelten waren, musste ich bei 5°C in der Nacht über den halben Campingplatz laufen. Das fand ich nicht so spannend. Bei einer Dusche waren wir uns Beide sehr unschlüssig. Das hat nun die Kabine für uns entschieden.

Ein großzügiges Bett im Alkoven war ein wichtiger Punkt im Lastenheft

Roger. Jetzt ist es ein Isuzu D-Max geworden. Ein solides Fahrzeug wie ich finde. Leider bei uns nicht stark verbreitet. Im weiteren Umkreis von meinem Wohnort gibt es auch keinen Fachhändler der Isuzu anbietet. Das ist echt schade, denn es wäre eine echte alternative für mich zu Ford und Toyota.

Da haben wir ja richtig Glück. Im Umkreis von etwa 50 Kilometer sind es drei Händler. Wobei ich gestehen muss, dass ein KFZ-Meister in meiner Familie schon Gold wert ist.

Wir haben nicht gezielt nach einem Isuzu geschaut. Ein Ford Ranger hatte uns auch gefallen. Der Toyota Hilux ist weggefallen, weil er für die Art der Kabine nicht genügend Zuladung gehabt hätte. 

Der D-Max hat zuschaltbaren Allrad und ein Automatikgetriebe. Aktuell hat er hinten nur verstärkte Federn verbaut. Höchstwahrscheinlich werden wir ihn noch auflasten. Auf Dauer fahren wir mit der Tischer-Kabine am Limit des Machbaren.

Roger: Und was habt ihr nun für eine Kabine erworben? Ich glaube du erwähnst es gar nicht im Bericht? Wie ist die aufgebaut? 

Es ist eine Tischer Trail 260 S geworden. Das S steht für den Seiteneinstieg und die Kabine ist sehr gut für 1,5 Kabiner geeignet. Der Seiteneinstieg ist möglich, weil sie hinten über das Fahrzeug drüber ragt. Wir haben im hinteren Bereich ein Bad. Es ist eine kleine Dinette, eine Ecksitzgruppe und ein Bett im Alkoven verbaut.

Optisch eine gelungene Kombi: Ein Isuzu D-Max mit einer Tischer 260 S

Roger: Es scheint laut den Bildern eine Alu-Außenhaut zu sein?

Der Aufbau ist eine Alu-Sandwich-Bauweise. Allerdings ist der Alkoven zum Teil mit GFK-Elementen gefertigt. Isoliert ist das Ganze mit Styrodur in einer Holzständerbauweise. Die Innenseite ist mit einer folierten Sperrholzplatte versehen, die wir lackiert haben.

Roger : Und welches Baujahr?

Sie ist aus 1995 , ist also schon etwas älter.

Roger: Was für eine Art Toilette ist denn verbaut?

Es ist eine Thedford Casettentoilette verbaut. Diese hat einen Wasserzulauf und einen separaten entnehmbaren Fäkalientank. Mal sehen ob sich das bewährt oder ob wir im Laufe der Zeit auf eine Trockentrenntoilette umrüsten. Vielleicht brauchen wir Sie auch gar nicht mehr.

Roger : Kennt ihr das Gewicht der Kabine?

So richtig kennen wir das Gewicht nicht. Wir waren nach unserem Trip nach Kroatien mit dem Auto und Kabine auf der Waage. Mit einem halbvollen Wasser- und Dieseltank, einer Person, zig Flaschen Olivenöl und Wein und Klamotten für etwa eine Woche haben wir knapp 3100kg auf die Waage gebracht. Also knapp über dem zulässigen Gesamtgewicht. Das ist noch optimierungsbedürftig.

Roger: Ja, das ist das Problem von vielen Wohnkabinen Besitzern. Das Gewicht sollte man im Auge halten, darüber habe ich ja schon mehrfach berichtet.

Die Stoffe waren etwas oldschool, aber der Katze ist es egal.

Roger. Eurer Bericht im Blog über die Kabine endet dann recht plötzlich und hat mich sprachlos zurückgelassen. Ich glaube meine Worte beim Anblick der letzten Bilder waren: “Ach du schei……” Was war passiert?

Das ist noch harmlos ausgedrückt. Da ein Probetrip am nächsten Wochenende geplant war, wollte ich die Kabine am ersten Abend nur putzen und etwas herrichten. Die Vorbesitzer haben den Möbeln und Wänden mit einer Dekorfolie einen neuen Look verliehen. Innerhalb kürzester Zeit merkte ich, dass sich in der Ecke an der Außenwand die Folie löst. Ich musste daran ziehen und stellte mit Entsetzen fest, dass die Wand dahinter nass war.

Erste Vermutungen das etwas nicht stimmt.
Da stockt einem der Atem
Hier hat das Wasser bzw. holzzersetzende Pilze über Jahre ganze Arbeit geleistet.
Blankes Alu und blankes Entsetzen!

Roger: Kann man den Schaden denn reparieren? Was sagt der Besitzer dazu? Habt ihr versucht den Kauf rückgängig zu machen?

Den Schaden konnten wir – und das wird hoffentlich auch so bleiben – reparieren. Der Vorbesitzer war sich natürlich keiner Schuld bewusst und so blieb uns nur unser Wille, das durchzustehen. Hätten wir handwerklich zwei linke Hände, wäre das nicht zu schaffen gewesen. Jeder Fachmann hätte ein Vermögen für eine Instandsetzung verlangt oder gleich abgelehnt.

So sieht ein verzweifelter Kabinenbesitzer aus. Ich weiß nicht ob ich diese Motivation gefunden hätte , diese Kabine wieder auf Vordermann zu bringen. Den Beiden gebührt mein voller Respekt.

Die Bilder machen einen sprachlos

Roger: Waren noch andere Stellen getroffen?

Insgesamt waren drei Stellen stark betroffen. Eine davon haben wir leider noch immer nicht im Griff. 

Roger: Was musstet ihr für die Reparatur noch investieren?

Glücklicherweise ist Holz nicht ganz so teuer – allerdings summiert sich das Ganze am Schluss doch. Einige Sperrholzplatten hier, zahllose Tube Kleber da – auch wenn wir schonmal dabei sind, machen wir auch gleich den Kühlschrank neu usw. Eine Schlussrechnung haben wir noch nicht gemacht, schätzen aber über den Daumen mit runden 3000,- Materialaufwand.

Sogar der Alkoven war angegriffen

Roger: Wie lange hat die ganze Aktion gedauert?

Es folgten 6 Wochen harte Arbeit, die mit 6-7 Tage die Woche á 6-8 Stunden die viel Energie kosteten. 

Evelyn mit vollem Körpereinsatz

Da gehört nicht nur Mut und Willenskraft zu , sondern auch handwerkliches Geschick und gutes Werkzeug
Sogar das Alu war gerissen und teilweise sogar vom Lochfraß zersetzt.

Nach dem Abriss folgt der Aufbau

Roger: Was könnt ihr mit euren Erfahrungen nun anderen Lesern raten, die auf der Suche nach einer Wohnkabine sind.

Schaut zweimal hin und nehmt jemanden mit, der sich auskennt. Auf jeden Fall würde ich eine kleine finanzielle Reserve schaffen und grundsätzlich damit rechnen, dass immer etwas passieren kann. 

Bei uns hatte die Kabine nicht nach Feuchtigkeit gerochen. Oftmals ist dies schon ein erstes Indiz. Ich habe Schränke kontrolliert, Wände abgetastet, in die Sitzflächen geschaut. Auch die Außenhaut sah nicht nach Schäden aus – halt nur ein bisschen in die Jahre gekommen.

Schaut vor allem an die Unterkanten der Außenwände, drückt mit dem Finger dort in die Materialien. Schaut Euch genau die Profilleisten an, wie gammelig oder wie gut die aussehen. Besorgt Euch einen Feuchtemesser und prüft vor allem die Ecken im Inneren der Kabine.

Vorher
Nachher

Roger: Habt ihr nun schon eine Tour damit gefahren? Wie sind die Pläne im neuen Jahr, wenn die Gesetzeslage das unbekümmerte Reisen hoffentlich wieder zulässt?

Wir hatten uns Anfang September als Ziel gesetzt nach Kroatien zu fahren. Das haben wir dann auch geschafft. Die Kabine war nicht zu 100% fertig, war aber auch keine Großbaustelle mehr. Raik war dann im Oktober auf einer Fototour damit in der Schweiz und Italien. Eis und Schnee stellten zu diesem Zeitpunkt keine wesentlichen Probleme dar.

Fast alles wieder gut. Nach wochenlanger Entbehrung endlich auf verdienter Reise durch Kroatien.

In der aktuellen Situation Pläne zu schmieden ist wie Lotto spielen. Ich denke, dass wir spontan losfahren werden. In der Zwischenzeit hat unsere Katze Diabetes bekommen und muss zweimal am Tag gespritzt werden. Wir nehmen gerne Tipps an, wie sich Katzen an Wohnkabinen gewöhnen lassen. Die Sitzbank wurde von ihr aber schon in Beschlag genommen.

Roger: Ich hoffe, dass wir in Zukunft noch öfters ein Update von euch, euren Reisen und eurer Wohnkabine bekommen. Ich habe vor euch den größten Respekt das ihr den Kopf nicht in den Sand gesteckt habt und die Kabine wieder aufgebaut hat. Top!

Sehr gerne. Im Moment nutze ich die ruhigeren Tage unsere Erlebnisse des letzten halben Jahres aufzuarbeiten. In meinen neuen Blogbeiträgen ist der Fortschritt nachzulesen und wird stückweise aktualisiert. Wenn die Kabine dann endgültig fertig (und vor allem trocken!) ist, gibt es auf jeden Fall ein Update mit schönen Bildern für Dich!

Hier ein paar gesammelte Tipps zum Kauf einer gebrauchten Wohnkabine von wohnkabinen.online

Das wichtigste Werkzeug, dass man bei dem Kauf einer gebrauchten Kabine dabei haben sollte, ist die Nase. Riecht es in der Kabine nach Keller und Muff, sollten die Alarmglocken angehen und die Ursachenforschung beginnen. Im schlimmsten Fall kann die dauerhaft feuchte Luft nicht nur an der Kabine, sondern auch gesundheitliche Schäden verursachen. Ein Feuchtigkeitsmesser ist sicher auch sinnvoll, aber man muss natürlich auch damit umgehen können und die Informationen zu deuten wissen. Ich habe einmal bei einem Wasserschaden einen Disput zwischen einem Sachverständigen und einem Versicherungsvertreter erlebt, weil sie unterschiedliche Messmethoden angewendet haben und auf unterschiedliche Messdaten kamen. Aber wie im vorherigen geschilderten Fall von Evelyn und Raik hat der Geruchstest nicht geholfen, denn die Kabine hat nicht unangenehm gerochen.

Grundsätzlich sollte man erst einmal in Erfahrung bringen, wie die Kabine gefertigt wurde. Besteht sie aus einem Holzgerüst (ähnlich einem Fachwerkhaus) mit aufgesetzten Sperrholzplatten und innenliegenden Dämmplatten aus Styrodur oder ähnlich, ist die Gefahr des Gammelns höher als bei einer Kabine mit Aluminiumgestell oder zum Beispiel selbst tragenden GFK Absetzkabinen. Eine Popup Kabine sollte an ihrem vorderen Scharnier begutachtet werden. Die Gefahr des Wassereintritts ist dort natürlich größer wie bei einer geschlossenen Alkovenkabine.

Natürlich dürfen auch die anderen Sinne wie “tasten” und “sehen” nicht zu Hause bleiben. Tastet man mit flacher Hand an die Wände kann man manchmal “feuchte Wände fühlen”. Nicht wirklich, aber die glatten Flächen fühlen sich trotz Dekoroberfläche oft kühler oder „anders“ an, weil Wasser im Holz gespeichert ist. Manchmal merkt man auch bei leichtem Druck mit den Fingern, dass die Oberfläche weich ist. Das wird natürlich schwierig wenn der Vorbesitzer, wie im vorliegenden Fall, alles mit dicken Dekorplatten beklebt hat. Wir wollen natürlich keine böse Absicht unterstellen.

Und jetzt kommt das Auge ins Spiel. Nicht nur beim Suchen nach fehlerhaften Stellen, sondern schon beim Erfassen des Gesamteindrucks. Deshalb sollte eine Besichtigung keine Nachtveranstaltung werden, sondern am liebsten bei strahlendem Sonnenschein stattfinden. Vielleicht entdeckt man im dunklen Innenraum einen Sonnenstrahl, der an dieser Stelle besser nicht durchscheinen sollte. Wirkt die Kabine im Gesamten schon ungepflegt, sollte man sich die Details auf jeden Fall noch intensiver anschauen. Denn das lässt vermuten, dass der Vorbesitzer wenig Energie in die Pflege seiner Wohnkabine gesteckt hat.

Kommt man in die Kabine, sollte man einen Blick auf dem Fußboden, insbesondere im Türbereich achten. Ist der Boden wellig oder verfärbt? Liegen Fenster in Fahrtrichtung, sollte man auf jeden Fall mal nachschauen ob der Fahrtwind den Regen nicht reingedrückt hat. So eine Kabinenbesichtung hat auch etwas mit Akrobatik zu tun, denn man sollte auch versuchen einmal aufs Dach zu gelangen und sich den Zustand der Dachluken von oben anschauen. Dabei die Silikon bzw. Sikaflex-Nähte Stück für Stück auf Beschädigung oder gammeligen Rändern absuchen. Im Laufe der Jahre haben die Sonnenstrahlen das Material mürbe gemacht. Gibt es irgendwelche Antennen die aufs Dach montiert wurden? Airlineschienen? Solaranlagen? Heckleiter? Reserveradträger? Abluftrohre? Auch hier sollte man die Befestigungspunkte, insbesondere Schrauben und Nieten in Augenschein nehmen. Wie wurde abgedichtet ? Steht die Kabine auf Stützen, sollte man an der Kabine wackeln und die Verbindungen beobachten. Bewegt sich was? Dann könnte dort auch Wasser hineinlaufen. Bekommt man vom Besitzer genehmigt eine Schraube zu lösen, kann man vielleicht erkennen und merken, ob sie aus dem trockenen oder aus einem nassen Zustand herausgedreht wird. Oder schon total verrostet ist. (siehe Bild)

Hätte man solch eine Schraube einmal herausdrehen dürfen, wären vielleicht die Alarmglocken angegangen.

Auch das Dach, sollte im Gesamten nach Rissen abgesucht werden. Bei einer Aluminium Außenhaut sollte man nach Löcher (Alufraß / Kontaktkorrosion) und Risse achten. In der Kabine sollte man sich die Decke anschauen. Sind die Flecken nur durch etwas Kondenswasser entstanden oder tropft es dort schon länger? Das kann manchmal an der Art und Intensität der Flecken erkennen. Heute wird selbst in kleinsten Kabinen geduscht und gekocht. Und auch im Schlaf entsteht feuchte Luft und Kondensation an den kalten Wänden der Kabine. Deshalb ist regelmäßiges Lüften immer wichtig, denn sonst könnte Kondenswasser über glatte Flächen hinter Möbel oder gar in die Wände laufen.

Wasser ist unberechenbar! Die Dachdecker wissen das. Da wo das Wasser in die Kabine innen reinläuft, ist noch lange nicht zwingend die Ursache an der Außenseite gefunden. Das Wasser fließt über die kuriosesten Umwege. Letztlich verursacht nicht das Wasser selbst die Probleme beim Holz. Wenn Holz nass wird und schnell wieder trocknet passiert gar nichts. Erst wenn über einen längeren Zeitraum das Holz feucht ist, entstehen holzerstörende Pilze, die dann die ganze Arbeit leisten. Noch anders ist es bei Sperr- und Spanplatten. Diese quellen im dümmsten Fall auf. Auch imprägnierte und speziell versiegelte Platten haben ihre Grenzen.

Und es ist ja nicht immer gesagt, dass das Wasser vom Himmel kommen muss. Ein dauerhaftes tropfendes Siphon, dass die Wassertropfen stetig hinter die verbauten Möbel leitet, ist geeignet einen kapitalen Schaden zu verursachen. Oder eine undichte Verbindung am Boiler. Selbstverständlich sollten auch alle technischen Dinge auf Funktion geprüft werden. Gasherd (Wurde eine aktuelle Gasprüfung gemacht?) Lichtanlage, Wasserentnahme, Kühlschrank etc. Oder zum Beispiel auch die Heizung mal eine Viertelstunde laufen lassen, ob da wirklich warme Luft rauskommt.

Um so älter die Kabine, umso intensiver sollte die Besichtigung sein. In den 90er waren Wohnkabinen noch eine Rarität und selten. Es wurde viel mit Holzgestellen und Schichtholzplatten mit aufgeklebten Dekoren gearbeitet. Die Gestelle wurden manchmal nur genagelt und die Verbindungen können sich bei größerer Beanspruchung lösen. Und früher waren Kleber und verwendeten Materialien natürlich nicht auf einem so ausgereiften Niveau wie heute. Da hat sich in der Entwicklung viel zum Besseren gewendet und es wurde natürlich viel Erfahrungen gesammelt. Heute wird viel mit verrottungsfesten Platten (z. Bsp. GFK mit PU-Schaum verklebt) gearbeitet, so das solche Dramen wie bei Evelyn und Raik kaum oder gar nicht mehr vorkommen.

Auf jeden Fall sollte man sich bei seiner Roomtour Zeit nehmen und nicht unter Druck setzen lassen. Vielleicht auch lieber noch einmal eine Nacht drüber schlafen, bevor man in seiner Euphorie einen Vertrag unterschreibt, bei dem nur noch ein Rechtsanwalt helfen kann . Und zum guten Schluss kommt dann der letzte Sinn ins Spiel – das Bauchgefühl. Auf das sollte man auf jeden Fall hören, denn es geht ja meistens um viel Geld und eine Entscheidung für viele Jahre. Denn nicht jeder hat den Mut, Motivation, Werkzeug und das handwerkliche Geschick wie Evelyn und Raik.

Im neuen Pickup Camper Magazin 01-2021 wurde das Thema „Gebrauchtkabinenkauf“ auch noch einmal aufgegriffen. Auch Evelyn und Raik kommen im Artikel wieder vor! Das PCM kann man hier KOSTENLOS lesen oder eine gedruckte Version bestellen

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