Abenteuer Kabinenbau II

Alle Bilder von Torsten Elstermann

Roger: Hallo Torsten, in einer Facebook Gruppe habe ich zum ersten mal von deinem Projekt, der selbstgebauten Wohnkabine gelesen. Und ich war ja nicht der Einzige der begeistert war, wie man in den Kommentaren lesen konnte.

Aber stelle dich doch erst einmal vor:

Thorsten: Ich bin Torsten Elstermann und komme aus Schopfheim und bin gelernter Schreiner.

Roger: Aha, ich hatte es mir gedacht! :-). Dann freue ich mich, wenn du uns davon erzählst und einmal hinter die Kulissen schauen lässt:

Thorsten: Vor 7 Jahren habe ich mir einen Pickup Dodge Ram1500 zugelegt. Die Idee, eine Kabine für den Pickup zu bauen hatte ich von Anfang an . Vor 4 Jahren hatte ich dann im Rahmen eines Arbeitsplatzwechsels die Möglichkeit und vor allem den Platz, um ein solches Projekt anzugehen. Innerhalb von 3 Monaten war die Kabine fertig. Die Kabine bestand aus einer 30 mm starken Rahmen Konstruktion, Styropor als Dämmstoff und innen wie außen 3 mm Pappelsperrholz. Holzbauweise kam für mich als einziges in Frage … Schreiner. Die ganze Kabine habe ich mit 2 Komponenten-Bootslack gestrichen. Bereits nach der ersten Ausfahrt musste ich jedoch feststellen, dass sich an einigen Verbindungstellen Wand zu Dach und Wand zu Heck, Haarrisse gebildet hatten, in welches Wasser eindringen konnte. Die Kabine habe ich dann noch einmal in die Werkstatt genommen, komplett abgeschliffen und mit einer Lage GFK überzogen. Die Verarbeitung von Harzsystem, speziell Epoxydharz war für mich kein Problem, da ich früher schon mein Surfbords und diverse andere Sachen aus GFK gebaut hatte. Das soweit als Vorgeschichte…. Ah, was noch sehr wichtig ist: Vor 3 Jahren habe ich dann ein Jobangebot in einer Caravanfirma bekommen. Die Erfahrungen aus meiner ersten Kabine und dem neuen Job konnte ich nun in die 2. Kabine einfließen lassen.

Das Projekt

Jetzt aber zum letzten Projekt: Kabine für Nissan Navara.

Der Pickup gehört einem Freund von mir. Es ist ein Navara D231 und hat ein zulässiges Gesamtgewicht von 3,5 t. was mir bei der Bauplanung sehr geholfen hat.

Als Dämmung diesmal kein Styropor sondern Styrodur. Ist zwar etwas schwerer, aber isoliert besser und nimmt kein Wasser auf.

Roger: Wer tiefer in die Materie bzw. Unterschiede zwischen den beiden Werkstoffen eintauchen möchte, findet zum Beispiel auf Sanier.de noch weitere Erklärungen und Daten.

Die Bodenwanne habe ich dieses Mal etwas anders konstruiert. Ich habe den Rahmen stärker aus 40 mm Sperrholz konstruiert. Als Außenhaut habe ich 6,5 mm Siebdruckplatte und innen 6 mm Pappelsperrholz gebaut.

Der Boden hat ein PVC Belag bekommen.

Das Ziel war ja die Kabine so leicht wie möglich zu bauen, aber stabil soll sie ja auch sein. Die Bauweise habe ich wie bei meiner ersten Kabine beibehalten: Rahmenbauweise aus 30 mm Pappelsperrholz.

Innen wie außen habe ich 3 mm Pappelsperrholz vollflächig verklebt und außen 2 Lagen Glasfaser mit Epoxydharz getränkt.

Die Wände, Heck Wand und Dach wurden außen mit 2K PU Lack gestrichen. Ich habe alle Bauelemente fertig beschichtet und erst dann montiert. Innen habe ich alle Wände und Decken mit weißen Latex gestrichen. Diese Bauweise habe ich bei allen Wänden und Decken angewendet.

Zum Gewicht: Ich habe versucht sehr genau zu kalkulieren und bin auf ca. 700 kg gekommen. Das Endgewicht der Kabine liegt dann doch bei 850 kg… stört den Nissan Navara aber nicht.

Die Ausstattung

Die Kabine hat Vollausstattung bekommen bzw. folgende Komponenten wurden verbaut:

Heizung Thruma Combi 4 E

50 Liter Frischwassertank 50 Liter Grauwassertank

Dometic Kühlschrank 60 liter (Gas , 12 v ,220 v Betrieb)

95 A Aufbaubatterie

Kombispüle mit 2 Kochstellen

Dometic Kasettentoilette

Ladebooster

Tanksonden in Frisch und Grauwassertank

Citywasseranschluss

Aussengassteckdosen

2 Dachhauben

Im Alkoven ein Fenster welches in den Buerstner Reisemobilen verbaut wird.

Alle Fenster mit Verdunklung und Fliegenschutz

Das Bad

Die Küche

Das Esszimmer

Das Schlafzimmer

Die Liegefläche ist 2000 x 1600 und in Fahrtrichtung.

Das Highlight der Kabine sind die Rico Stützen. Sie sind elektrisch und fernbedienbar aber schlagen auch mit 3000 Euro zu Buche. Auch das Gewicht der Anlage ist nicht ohne. 65 Kg Aber der Komfort beim auf und abladen ist einfach genial. Die werde ich mir wohl bei meiner nächsten Kabine auch gönnen … ja du hörst richtig ich denke bereits über einen Neubau meiner eigenen Kabine nach.

Abmessungen : Länge 4500 mm , Breite 2070 mm Stehhöhe innen 1950 mm

Alle Materialen habe ich von unserem Holzhändler bezogen, Epoxyd Harzkomponenten habe ich im Internet gekauft. Die Fenster sind von Camping Wagner. Serviceklappen, Wassertank auch aus dem Internet und vieles über unsere Firma. Die Kabine ist auf alle Fälle Winterfest vor allem wegen der Heizung. Ist ja eigentlich zu groß für die Kabine, aber es gibt Sie aber leider nicht kleiner. Ach ja duschen kann man in der Kabine natürlich auch.

Die Materialkosten liegen so bei 15000 Euro.

Eine Luftfederung an der Hinterachse ist auch noch geplant…nicht wegen der Zuladung sondern wegen Fahrverhalten. Und er steht dann besser da.

Roger: Lieber Torsten, ich danke dir für deine Ausführungen und deine Bilder. Das macht mich immer etwas sprachlos wenn ich so viel handwerkliches Geschick sehe. Da ziehe ich den Hut. Sehr eindrucksvoll.

Vielleicht haben die Leser noch die ein oder andere Frage zum Projekt, die ich dann hier als Update noch veröffentlichen werden.

Roger : Allerdings hast du die wichtigste Frage noch nicht beantwortet:

Wann baust du meine Kabine?!!!!

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Detlef sagt:

    Hi Torsten,

    toller Beitrag zum Blog und so gut chronologisch bebildert, dass sich auch für den Laien der Baufortschritt verfolgen lässt. Professionell durchgeführt von der Planung bis zum Finish sicherlich, mit einem Grundriss und einer Außenform, wie es sonst keiner macht – Längsschläfer ermöglicht aerodynamischen Bug, L-Sitzgruppe kennt man vom Wettbewerb auch nicht. Da der Käufer offensichtlich mit den hängenden Stützen bei Fahrt und dem empfindlichen Fenster im direkten Insektenstrom und Regengischt leben kann, ist das Teil bestes Beispiel dafür, per DIY zu bauen, was es nicht zu kaufen gibt.
    Aber! Auch wenn der Navara auf 3,5t aufgelastet ist, bleibt die Frage: Wie fahrbar ist die Fuhre? Beim Doka lasten 450cm Kabinenlänge auf 150cm Pritschenlänge, mit den entsprechenden Überhängen. 850kg plus Gepäck plus Flüssigkeiten ergibt nach meiner Rechnung eine Last am Rand der Legalität. Ohne Reserven und mit einer hecklastigen Gewichtsverteilung, die bestenfalls moderates Cruisen auf geradem Asphalt zulässt. Das passt nur für eine Reise, die auf der Autobahn direkt zum CP führt, wenn dort die Kabine abgesattelt wird und der PU für Touren solo benutzt wird.
    Bitte richtig verstehen: Wenn der Käufer sich dessen bewusst ist und bei Hin- und Rückfahrt jeden Abstecher ins Gehölz oder enge Serpentinen mit entsprechender Steigung/Gefälle vermeidet, kann das gutgehen… wenn einem nicht ein vierbeiniger Streuner in die Fahrbahn läuft. Welche Kräfte da auf die Gesamtfuhre einwirken, vermag sich keiner vorzustellen, der es nicht erlebt hat.

    VG Detlef

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    1. wohnkabinen sagt:

      Hallo Detlef, danke für deine Ausführungen. Du hast recht, dass die Gewichte einer großen Pickup Kabine nicht unproblematisch sind. Das wird ein ewiger Kampf bleiben. Dazu habe ich auch einiges im Bericht: „Die Evolutionsstufen der Pickup Camper“ geschrieben. Das ist aber eine Problematik die mit einem Selbstbau nicht in Verbindung steht, sondern es betrifft viele/alle großen Alkoven Kabinen. Die Auflastung ist dann meistens unumgänglich um zumindest auf dem Papier in der Legalität zu bleiben. Das erfolgt zur Zeit meistens mit dem Luftfahrwerk. Was meiner Meinung nach noch wichtiger ist , sind die Blattfedern und Stoßdämpfer zu ersetzten also ein gescheites ,stabiles Fahrwerk welches eine höhere Belastung aushält. Dann bekomme ich erst eine höhere Performance des Ganzen und es wird wieder ein vernünftiges Fahrverhalten. Leider gibt es kein/wenige abgestimmte Fahrwerke womit sich eine TÜV konforme Auflastung auf 3,5 TO erreichen lässt. Ironman ist da dran und es könnte bis Herbst 21 was werden.( lt. deren Aussage) Dann wäre die Sicherheit erhöht und das lästige Nicken auf Grund der Hecklastigkeit vielleicht Geschichte. Und das mit offizieller Bescheidung auf 3,5 To.

      Es gibt ja durchaus große Alkoven Hersteller die ein vernünftige Fahrwerk konstruiert und verbaut haben, wo das Fahrverhalten wieder Spaß macht. (zum Beispiel Burow Oman)
      Auch bei meinem Fahrwerk merke ich kaum das ich 800 kg auf dem Buckel hab. Da macht das Pisten und Offroad Fahren richtig Spaß. Es ist also möglich, wenn man bereit ist in ein abgestimmtes Fahrwerk zu investieren. Viele Grüße
      Roger Nies

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