Nach dem letzten Korsika Besuch in 2021 haben wir uns versprochen: Wir kommen wieder und dann erkunden wir den Süden. Aber dieses Mal ist alles anders als gewohnt. Da wir bis zum Schluss mit der Buchung gezögert haben, müssen wir feststellen, dass unser Lieblingshafen in Livorno keinen Platz mehr für uns hat. Genauso wie die Fähren in Savona und Toulon. Zum gewünschten Zeitpunkt sind die limitierten 3 m hohen Plätze auf den Fähren ausgebucht. Und recht teuer. „Last Minute“ Preise gibt es anscheinend nur noch für PKWs. Für Wohnmobile um die 3 Meter gilt das Gesetz der Marktwirtschaft. Umso knapper das Gut, umso teurer der Preis. So viel wie dieses Jahr haben wir noch nie bezahlt. Demnächst buche ich wieder früher.
Die Anfahrt
Den Hafen von Genua kenne ich gut von meinen Reisen nach Tunesien. Früher fuhren wir »just in time« hin und waren immer pünktlich an der Fähre. Aber durch das gestiegene Verkehrsaufkommen der letzten Jahre kann man das kaum noch kalkulieren. So stehen wir dieses Jahr zum Beispiel über 3 Stunden am Gotthardtunnel.
Das Problem: Wo in Genua zur Übernachtung stehen, wenn man irgendwann in der Nacht dort aufschlägt, um morgens in aller Frühe einzuchecken? Der Hafen ist aufgrund mangelnder Übernachtungsmöglichkeiten nicht meine erste Wahl. Der einzige Campingplatz in Genua ist in der Nachsaison (14. September) überfüllt und ohne Reservierung nicht zugänglich. Dem Vanlife- und Wohnmobil-Boom sei Dank! Die wenigen Wohnmobilstellplätze liegen unromantisch und nicht einladend an viel befahrenen Straßen und geben einem kein gutes Sicherheitsgefühl. Freistehen ist in Genua nicht möglich, da jeder Zentimeter bebaut oder bereits belegt ist. Ich selbst habe schon mal im Hafen von Genua einen dreisten, versuchten Diebstahl miterlebt. Da gefällt mir die Abfahrt ab Livorno wesentlich besser.

Die App »Park for Night« bietet noch einen Stellplatz am Stadion an, aber das ist nicht unser Ding.
In 16016 Cogoleto finden wir noch den GREEN FAMILY PARK EUROPA. Allerdings mit 32 € nicht ganz billig. Der supernette Betreiber hat uns noch eine sensationell leckere Pizza organisiert, die aus dem Nachbarort bis ans Auto geliefert wurde. Entspannt reisen wir am Morgen Richtung Hafen, da die Fähre erst gegen Mittag loslegt.


Zu den einzelnen Etappen der Reise gibt es jeweils 6 kleine Kurzfilme von max. 1 Minute Länge, die die Reise in bewegten Bildern darstellen.Zu den jeweiligen Reiseabschnitten findest du 6 kleine Kurzfilme von maximal 1 Minute die die Reise in bewegten Bildern darstellt.
Ostküste
Die Fähre läuft gegen 18.00 Uhr in Bastia im nördlich Kosika ein. Dann heißt es noch 60 Minuten Richtung Süden zum Camping Amurucciu
Ein Campingplatz, der durch seine Lage besticht. Und sonst nichts. Direkt am Meer und keine Parzellen. Der Platz ist nur für Camper mit eigener Dusche und WC interessant. Die Infrastruktur ist mit die schlechteste, die ich bislang auf Campingplätzen gesehen habe. Dafür schläft man mit Meeresrauschen ein. Der ADAC-Campingplatz-Tester würde Schnappatmung bekommen, wenn er hier seine Sterne vergeben müsste. Aber für uns zählen die gleichen drei Gründe, wie beim Verkauf einer überteuerten Immobilie: Lage, Lage, Lage! Diese ist kaum zu toppen.
Hier verbringen wir die ersten Tage und kommen erst einmal an. Oder sollen wir einfach hier bleiben für die nächsten 14 Tage?





Richtung Westküste durch die Berge

Unsere geplante Route müssen wir wegen des schlechten Wetters aufgeben. Bergwandern im Nebel ergibt keinen Sinn. Vielleicht klappt es am Ende des Urlaubs. Wir folgen dem guten Wetter und fahren an die Westküste. Das ist der große Vorteil eines Reisemobils und wenn man nicht an einem Platz gebunden ist. Wir fahren immer der Sonne entgegen – bis wir sie finden.
An die Westküste
Wir queren die wolkenverhangenen Berge über Zonza und verweilen ein paar schöne Tage auf dem großen Camping TIKITI in der Nähe von Propriano. Noch immer sind wir im Glauben, auf dem Rückweg nach Norden in den Bergen wandern zu können.
Die viertgrößte Insel im Mittelmeer ist geprägt von hohen Bergen und tiefen Schluchten. Von Nord nach Süd sind es nur 183 Kilometer und von West nach Ost nur um die 80 km Luftlinie. Aber die haben es in sich und es dauert ein paar Stunden um von Solenzara nach Probriano zu kommen.








Offroad
Wir fahren abseits der Straßen und suchen verlassene Strände. Allerdings ist das nicht mehr ganz so einfach. Jeder noch so kleine Feldweg ist mit Ketten, Seilen, Toren, Steinen, Schranken, Höhenbegrenzungen und Verbotsschildern abgesperrt. Vom Offroad-Paradies, wie ich es vor Jahren kannte, ist nicht mehr viel übrig geblieben. Man muss wirklich suchen, um geeignete Pisten zu finden. Vielleicht ist die Region in der wir uns befinden auch einfach ungeeignet.
Früher sind wir nach den Heften von MDMot gefahren, ob diese Pisten noch aktuell sind, kann ich nicht sagen.




Alles anders
Dann kommt eine Nachricht per SMS von der Fährgesellschaft: „Ihre Fähre ist gecancelt“. Die Rückreise ist nun nicht mehr ab Bastia geplant, sondern am selben Tag von Ajaccio. Also nicht im Norden, sondern an der Westküste.
Jetzt macht der Plan, wieder über die Berge nach Norden zu fahren, keinen Sinn mehr, denn in ein paar Tagen schon müssen wir wieder da sein, wo wir im Prinzip schon sind. In der Nähe von Ajaccio.
Also wieder Planänderung. Man ist ja flexibel. Und die Insel klein.
Ein echter Geheimtipp
Im Südostzipfel von Korsika soll das Wetter stabiler sein. Aber vorher besuchen wir noch einen Geheimtipp: Heidis Escape. Ein rustikaler Campingplatz in faszinierender Lage. Heidi ist vor vielen Jahren aus Österreich auf Korsika gestrandet und hat dort einen kleinen Campingplatz eröffnet. Die Stellplätze befinden sich in der Macchia in absoluter Stille. Abgeschieden am Fuß der Berge. Alles einfachste Ausstattung, aber sauber.





Südostküste
Weit geht es an die Südostküste in Richtung Sonne. Zuvor noch ein Abstecher nach Porto-Vecchio. Sie ist die drittgrößte Stadt Korsikas und Zentrum des Tourismus im Südosten der Insel. Sie lädt zum Bummeln und Verweilen ein. Wer noch nie in Korsika war, wird natürlich Bonifacio nicht verpassen. Die Hafenstadt haben wir in bei der letzten Reise auf Kosika besichtigt.

Der nächste Stopp ist auf einem einfachen Stellplatz ohne Infrastruktur, dafür aber am schönen Strand Palombaggia gelegen. (Parcheggio Auto-Campeggio »I Pini«). Der Stellplatz ist nichts Besonderes und eigentlich nur ein Parkplatz unter Bäumen ohne Infrastruktur, aber für 14.-€ völlig o.k. Auch hier gilt wieder: Die Lage ist fast unschlagbar.

Ganz in der Nähe, auf dem Campingplatz vom schönen Strand Rondinara, befinden sich zu 70 % Vans in allen Kategorien. Anscheinend »das« Fortbewegungsmittel überhaupt auf Korsika. Größere Wohnmobile sind auf Korsika – anders als auf Sardinien oder der spanischen Küste, – in der Unterzahl. Abgesehen von den meisten Küstenstraßen, sind die Verkehrswege oft schmal und eng. Da machen große Wohnmobile oder LKWs einfach keinen Spaß. Auch wenn die Besitzer stolz erzählen, durch welche engen Gassen sie gefahren sind. Ganz anders sieht das derjenige, der hinter diesen „Verkehrshindernissen“ her tuckern muss. Den großen Fahrzeugen bleiben oft die schönsten Stellen auf Korsika verwehrt und sie bleiben zentral an den Orten an den gut ausgebauten Küstenstraßen. Und gehen dann mit ihren Mountainbikes oder mitgebrachten Motorrädern auf Tour. Korsika ist einfach nicht für große Fahrzeuge geeignet.
Sie ist die Insel der Vanlifer, der Dachzelt-Reisenden, der Motorradfahrer und der wenigen Pickup-Camper, die ich getroffen habe.
Wir ergattern einen Traumplatz auf dem Campingplatz Rondinara abseits im Tal. So, dass wir den Rest der Urlaubstage dort verbringen. Fußläufig ist der Strand schnell zu erreichen.


Wildcamping ist auf Korsika nicht nötig und abgesehen davon auch nicht erlaubt und nicht gewünscht. Die meisten Campingplätze sind so urig und bieten so tolle Stellplätze, dass es im Prinzip einem Freistehen oder Wildcampen gleich kommt. Die Preise an den Plätzen sind bis auf wenige Ausnahmen überschaubar. Und ich finde es mehr wie fair, der Bevölkerung etwas wiederzugeben, wenn man schon ihr tolle Insel „benutzt“.
Unfair finde ich es, aus Deutschland mit vollem Kühlschrank anzureisen, um wild und autark die wundervolle Insel zu bereisen, ohne Devisen vor Ort zu lassen. Ich habe schon Camper getroffen, die stolz darauf waren, die Insel bereist zu haben, ohne auch nur einen Euro ausgegeben. Mit etwas Geschick braucht man theoretisch noch nicht mal zu tanken.
Wenn wir Camper schon keine Hotels und Ferienwohnungen buchen, dann bitte auf andere Weise das Inselvolk teilhaben lassen. Kein Wunder, dass sich Widerstand gegen die Massen an Camper seitens der Bevölkerung regt. Der touristische Druck ist zu groß und die Korsen haben von ihrer Wehrhaftigkeit seit Asterix und Obelix nichts eingebüßt. Man hört wilde Geschichten von verärgerten Korsen, deren Wahrheitsgehalt man selten prüfen kann. Aber würden wir anders reagieren? Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.






Letzte Station „Ajaccio“
Die letzten Stunden auf der Insel sind gezählt. Die gebuchte Fähre wurde ja gecancelt und so heißt es Aufbruch Richtung Hafen Ajaccio und nicht nach Bastia. Aufgrund eines schweren Unfalls mussten wir einen großen Umweg von Süden kommend Richtung Ajaccio fahren. Und ich war froh, dass ich nicht mit einem größeren Fahrzeug unterwegs war. Fast Singletrails in hunderten von Kurven durch kleinste Bergdörfer. Viele Situationen waren haarscharf und nur bis 3,5 Tonnen zulässigen Gesamtgewicht erlaubt. Die größeren Fahrzeuge mussten warten, bis die Unfallstelle geräumt wurde. Was in den abgelegenen Gegenden von Korsika Stunden dauern kann. Auf Korsika schafft man eine Reisegeschwindigkeit von 30 Kilometer pro Stunde. Viel mehr geht nicht. Das sollte man bei seinen Planungen berücksichtigen. Und so nimmt auch unsere Fahrt gefühlt kein Ende.

Den Tag verbringen wir in Ajaccio und sind etwas enttäuscht von der Stadt. Die hatte ich mir etwas schöner vorgestellt. Vielleicht liegt es auch an der riesigen Baustelle im Zentrum. In das Hafengelände wird man erst 2 Stunden vor Abfahrt hineingelassen. Die Abwicklung ist völlig unkompliziert. Auch mit den Tickets, die eigentlich für Bastia ausgestellt sind. Das interessiert niemanden. Erst gegen Mitternacht geht es los.


Zwischenstopp
Wie immer splitten wir die Rückreise, wenn wir in Genua ankommen, damit die 1000 km in die Heimat nicht zu stressig und lang werden. Unserer obligatorischer Halt ist wie immer am Campingplatz Riviera am Lago Maggiore, der mit 46.-€ pro Nacht allerdings kein Schnäppchen ist. Aber für uns zählt ein Tag in Canobbio immer zu den Highlight einer Mittelmeerreise.


Zu schnell sind die schönen Tage vorbei. Auch wenn das Wetter in diesem Jahr (Ende September) nicht perfekt war wie sonst in den Jahren. Ich freue mich auf die Reise nach Korsika 4.0.
Nächstes Jahr? Vielleicht, wir sind ja flexibel mit unserem Pickup-Camper.