Reisetipps Marokko Teil I

Eines vorweg: Dieser Artikel hat nicht den Anspruch einen Reiseführer zu ersetzten. Er gilt lediglich als „Appetizer“ um sich vielleicht mit einer Reise nach Marokko etwas näher zu beschäftigen. Ich habe hier lediglich meine Eindrücke und meine Erfahrungen der letzten Reisen wieder gegeben. Die Abfolge der Tipps sind auch nicht unbedingt in chronologischer Folge oder in einer geographisch sinnvollen Aneinanderreihung.
Die Anreise

Ein viel diskutiertes Thema. Es gibt im Prinzip folgende Möglichkeiten mit dem Auto nach Marokko zu reisen.

Landweg mit kurzer Fährüberfahrt: Man fährt von Deutschland durch Frankreich bis in den südlichsten Zipfel von Spanien und setzt dort ein kurzes Stück mit der Fähre über. Zum Beispiel von / nach:

Eines Vorweg: Der Beitrag beansprucht für sich nicht, einen Reiseführer zu ersetzen! Er soll nur als „Appetizer“ zu verstehen sein. Ich habe hier nur ein paar Tipps, Highlights und Erlebnisse aus den letzten Reisen zusammengestellt, von denen ich begeistert war. Ohne jeglichen Anspruch auf Vollständigkeit.

  • Tarifa – Tanger
  • Tarifa – Tanger Med
  • Malaga – Tanger Med
  • Algeciras – Tanger Med
  • Algeciras – Ceuta
  • Motril – Melilla
  • Almeria – Nador
  • und andere

Kurzer Landweg mit längerer Schiffsfahrt:

  • Genua – Tanger Med
  • Sete- Tanger Med
  • Savona – Tanger Med
  • Barcelona – Tanger Med

Für die Fährüberfahrten kann man sich zum Beispiel den ADAC zu Rate ziehen, oder Reisebüros die sich mit dem Thema auskennen. Aber auch das Buchen direkt über die Fähr-Plattformen stellt kein große Herausforderung dar.

Die Fähren von Grandi Navi Veloci fahren von Genua und Barcelona nach Tanger Med. Grimaldi Lines Fähren gehen ab Savona und Barcelona nach Tanger Med. Und im Süden fahren einige Fährgesellschaften teilweise im Pendelverkehr.

Fast schon legendär ist der Ticketkauf bei Carlos. Hier fahren viele Afrikareisende zum Ticketkauf hin.

Agence Voyage Ticket Bateaux Tanger,Calle Fragata, 32, 11379 Los Barrios, Cádiz, Spanien. (Weiterleitung zu Google Maps)

Leider muss man eigentlich schreiben die Fähren „fuhren“ in die genannten Destinationen. Wie sich das Ganze in der Zeit nach Corona darstellt, ist Momentan völlig unklar ( Stand Juli 20)

Welches nun die beste Methode ist, um mit einem Fahrzeug nach Marokko anzureisen, daran scheiden sich die Geister. Es ist eine reine, individuelle Geschichte und hängt viel vom Fahrzeug und Zeitplan ab. Da hat jeder seine eigene Philosophie und Argumente. Für beide Wege gibt es Pro und Kontra. 60 Stunden lange Fährüberfahrten (von Genua) können schön-, aber bei schwierigem Seegang auch eine Qual sein. Und letztlich sind beide Variationen von den Kosten doch sehr ähnlich. Was man bei dem Landweg an Fährkosten spart, frisst der Diesel und die Maut wieder auf. LKW Fahrer bunkern in Marokko für die Rückreise billigen marokkanischen Sprit und lassen das in ihre Kalkulation einfließen. Wenn man genügend Zeit hat kann man natürlich auch versuchen, mautfreie Strecken zu nehmen, aber Zeit ist nun mal oft der Faktor, den die meisten von uns ( leider ) am wenigsten haben. Ist man mit einem schnellen Pickup Camper unterwegs liegen die Sprit- und „Zeit“- Kosten natürlich in einer anderen Dimension wie bei einem LKW. Egal wie, man muss für die An und Abreise je 3-4 Tage rechnen. Das erklärt, warum man für eine Marokko Tour mindestens 3- 4 Wochen einplanen sollte. Sicher geht es schneller, aber da stellt sich dann die Frage nach der Sinnhaftigkeit. Ich hatte es mal vor innerhalb von 14 Tagen durch zu ziehen, aber meine Vernunft hat mich dann daran gehindert. Denn auch die Dimensionen im Land sind groß. Marokko ist runde 100.000 m² größer wie Deutschland. (und hat nur rund 36 Mio Einwohner). Und im Atlasgebirge dauert eine Fahrzeit für 100 km Landstraße schon mal 3 -4 Stunden oder länger. Und auf den unbefestigten Pisten sowieso. Wenn auch König Mohamed VI dafür sorgt, dass das Straßennetz rasend schnell ausgebaut wird, sollte man die Planung der Fahrzeiten großzügig bemessen.

Wie schon erwähnt, sind alle Beiträge vor der Corona Zeit erstellt worden. Wie die Einreise in den nächsten Monaten abläuft, steht noch in den Sternen oder wie der Marokkaner sagen würde:  In sha Allah (oder auch Inschallah)

Wem das alles zu aufwendig, zu teuer und die Anfahrt zu langwierig ist, oder einfach die Zeit dazu fehlt, kann noch auf eine Alternative zurückgreifen: Man fliegt zum Beispiel bis Agadir oder Marrakesch und übernimmt dort einen Mietwagen. Entweder als Selbstfahrer oder mit Chauffeur. Einzeln oder auch in kleinen Gruppen möglich. Bei „Marokkoerleben“ zum Beispiel, gibt es vorgefertigte Routen oder man kann individuell nach Zeit und Geldbeutel planen. (ein Spezial-Veranstalter für Marokko mit dem ich sehr gute Erfahrung gemacht habe)

Die Verkehrsregeln scheinen in Marokko nur eine freundliche Empfehlung der Regierung zu sein. Als Selbstfahrer braucht man in den Städten gute Nerven. Hier herrscht das Chaos und es bietet sich an, defensiv und zurückhaltend zu fahren. Verkehrsregeln sind oft nur Makulatur.

In einem Unfall in Marokko möchte ich nicht involviert werden. Und wenn ich hundert mal Vorfahrt hatte. Und ein Krankenhaus möchte ich dort auch nicht von innen sehen. Zumal es im Süden des Landes auf Grund der fehlenden Infrastruktur schwierig wird, eines zu finden. Im Notfall müssen große Distanzen zurückgelegt werden. Aber auch wenn man meint, man wäre weit abseits jeglicher Zivilisation. Geschwindigkeitskontrollen gibt es auch dort. Bei der letzten Tour hat es mich gleich zwei mal erwischt. Unverhofft steht die Polizei im Nirgendwo und ich musste jedesmal 15.-€ berappen. Letztlich aber ein korrekter, höflicher und netter Kontakt.

Pech gehabt und das gleich 2 x während einer Reise. Aber gegenüber deutschen und schweizer Verhältnisse mit 15.-€ relativ günstig weggekommen.

Auch wenn man selbst noch bremsen könnte…..

Man sollte sowohl in Städten auch auf dem Land mit allen Überraschungen rechnen und immer aufmerksam sein. Eselskarren auf der Autobahn und weggebrochene Pisten sind keine Seltenheit. Bevor es dunkel wird sollte man seinen Schlafplatz gefunden haben, denn die Eselskarren haben natürlich keine Beleuchtung und sind in der Dunkelheit kaum auszumachen

Wohl dem, der die Gefahrenquelle von weitem erkennt. (Foto Daniel Jud / Fahrzeug Thorsten Schneider)

Wird man gezwungen im dunkeln zu fahren, heißt es doppelt aufmerksam zu sein. Esel haben keine Beleuchtung. Ansonsten lieber frühzeitig einen Schlafplatz suchen.
Auch dieser übergetretene Fluss sorgte für einen Schockmoment. Viel zu spät erkannt , hieß es nur noch: Augen zu, Gas geben und durch. In der Hoffnung das er nicht zu tief war. Noch einmal gut gegangen
Viele kleine Pässe sind nur einspurig ausgebaut
Und plötzlich kriecht er mit 10 km/h vor einem auf der Straße. Schrecksekunde garantiert!
Die Navigation ist mit einem GPS Gerät kein Problem. Ich nehme immer zwei Geräte mit. Ein Smartphone und ein Nexus Tablett auf Android Basis mit Locus Map Pro. Und zur groben Orientierung und zur Sicherheit eine Landkarte aus Papier. Aber die Orientierung stellt in Marokko keine allzu große Herausforderung dar.

Das Nexus ist ein älteres, einfaches, preiswertes Tablett, welches mich noch nie im Stich gelassen hat. Einzig die Hitze kann dem Smartphone und Tablett zu schaffen machen. Deshalb nicht an der Windschutzscheibe direkt befestigen, sonder etwas schattiger im Innenraum. Und staubdichte (wasserdichte) Hüllen sollten verwendet werden

Solange man sich auf Straßen befindet reicht zur Navigation auch ein normales Straßennavigationsgerät mit entsprechender Karte von Marokko. Abseits der Piste nehme ich gerne das Locus Maps Pro (Android) . Eine günstige, hervorragende Software. Man lädt sich vorher entsprechendes Kartenmaterial vom Reiseland herunter (kostenlos von „openstreetmaps“ möglich) und nutzt es dann Offline. Auch wenn das Handynetz super ausgebaut ist, sollte man sich nicht darauf verlassen und ein System mit Offline Karten nutzen. Denn es gibt für Marokko keine günstigen Rooming Verträge mit deutschen Telefonanbietern. Das heißt der Datenverkehr und das Telefonieren wird r i c h t i g !!! teuer! Aber dazu in Kürze mehr in einem gesonderten Beitrag.

Tipp Nummer 1: Marrakesch

Marrakesch ist ein Highlight einer Marokko Rundreise. Als Campingplatz bietet sich der Campingplatz „Les Relais“ an. Hier kann man entspannen und sein Auto stehen lassen um zum Beispiel mit dem Taxi in die City zu fahren. Es ist ein einmaliges Erlebnis durch die Souks der Altstadt zu schlendern und sich vom unfassbaren, hektischen Leben der Stadt treiben zu lassen. Es gibt die Souks der Lampenmacher, der Ledermacher usw. ein Wirrwar von Gassen, Gässchen und Gängen. Und wer mir hier als „Nichteinheimischer“ erzählt, er würde sich nicht verlaufen der lügt.:-) Selbst wenn man sich am Tage ein paar Orientierungspunkte gesucht hat, sieht es am Abend im Dunkeln völlig anders aus. Teilweise sind die Gassen unbeleuchtet oder plötzlich mit Toren verschlossen, wo man am Tag noch hergehen konnte.


Auch ohne arabische Sprachkenntnisse ist klar was es hier gibt-
Afrikanische Stromversorgung

Ein Besuch des größten Marktplatz Afrikas „Djemaa el Fna“ (Platz der Geköpften) gehört natürlich unweigerlich dazu.

Jongleure, Geschichtenerzähler, Magier, Wahrsager….. man begibt sich in eine für uns völlig ungewohnte andere Welt. Aber das ist das faszinierende an dieser Stadt.
Für deutsche Mägen und Augen gewöhnungsbedürftig.
Fast täglich wird Tajine gegessen !!Das Nationalgericht in Marokko. Aber jedes mal in einer anderen Variation und immer lecker. Dadurch das es lange unter großer Hitze schmort hat es auch keine Probleme mit dem Magen gegeben.

Insgesamt sollte man schon 2 – 3 Tage einplanen, um diese Wahnsinnsstadt kennen zu lernen. Aber auch hier liegen die Interessen der Reisenden ja auseinander. Manch einem ist das hektische Treiben schon nach Stunden zu viel. Andere können von der reichhaltigen Kultur nicht genug bekommen.

Tipp: Auch wenn man mit seinem Fahrzeug am Campingplatz steht, sollte man einmal in einem klassischen Riad übernachten. Ein einmaliges Erlebnis, welches gar nicht so teuer ist. Riads sind ehemalige Herrscherhäuser mit einem Lichthof und Dachterasse. Im inneren befindet sich eine ganz besondere Stille und Stimmung. Wasser plätschert aus einem kleinen Brunnen, Licht fällt schräg von oben in der Innenhof und es duftet nach Rosenblätter. Von außen überhaupt nicht zu erkennen. Man irrt durch die Gassen der Medina, steht vor einem alten dreckigen Holztor. Wenn man dieses öffnet, kommt man in ein Märchen aus 1000 und einer Nacht. Und ist fasziniert von der magischen Stimmung und dem wohligen Ambiente. Und am frühen Morgen über den Dächern von Marrakesch mit dem Ruf des Muezzins zu frühstücken, ist schon etwas Besonderes. (Riad Alwachma) Weiterleitung zu Google Maps

Folgenden Sehenswürdigkeiten haben wir uns in Marrakesch noch angeschaut und finde ich empfehlenswert:

  • Jardin Majorelle, der Garten von Yves Saint Laurent ( zur offiziellen Seite)
  • Bahia-Palast ( Zur Zeit keine offizielle Homepage)
  • Saadier-Gräber (Wikipedia)
  • Medersa Ben Youssef / Ehemalige Koranschule ( Wegen Renovierung zur Zeit geschlossen) (Wikipedia)

Dabei handelt es sich natürlich um Touristen-Hotspots. Dementsprechend sind unter Umständen die Wartezeiten beim Eintritt. Früh morgens oder spät Nachmittags sind sicherlich die besten Möglichkeiten ohne großen Trubel die Sehenswürdigkeiten zu genießen. Alle sind Fußläufig zu erreichen, der Garten Majorelle etwas außerhalb. Hier haben wir uns ein Taxi gegönnt.

Jardin Majorelle – Ein Paradies inmitten von Marrakesch-geschaffen von Yves Saint Laurent
Mein erstes Fazit:

Eine Stadt die man einmal erlebt haben muss. Allerdings fühlt man sich manchmal wie der Melkesel aus Europa. Wer echte Gastfreundschaft erleben will, erlebt sie eher jenseits der Atlasgebirge Richtung Wüste. So waren unsere Erfahrungen. Abseits der Touristenpfade haben wir nur nette , freundliche, hilfsbereite Menschen kennengelernt, die einem ganz ohne Hintergedanken ihre Gastfreundschaft anbieten. In Marrakesch wird mit den Touristen das Geld verdient. Und das merkt man und es wird teilweise übertrieben. Deshalb auch immer vorher abklären was ein Foto oder andere Dienstleistung kosten soll. (Künstler, Wasserträger, Führer etc.) Ansonsten kann es in unfreundliche, unangenehme Diskussionen ausarten. Und wer glaubt er könne unbemerkt, kostenlos ein Foto auf die Schnelle schießen ,der irrt! Überall sind Aufpasser positioniert die abkassieren. Auch die Händler in den Souks und in den Garküchen nerven einen. Das sollte man immer sportlich sehen und mit viel Humor. Jeder möchte natürlich sein Geschäft machen. Sollte man sich dann für ein Teil entscheiden, gilt es zu handeln. Das gehört einfach dazu und ich glaube der Verkäufer wäre verwirrt, wenn man es nicht versuchen würde.

In Kürze mehr im zweiten Teil

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