Reise in die Mongolei

Benno Cramer ist der Hersteller meines Fernweh-Mobils. Beim Kauf unsere Kabine lernten wir uns kennen und aus einer anfänglichen Geschäftsbeziehung, ist mittlerweile eine Freundschaft entstanden. Um so mehr freue ich mich, dass ich einen Reisebericht von Benno, seiner Frau Stefanie und Tochter Maya hier auf meiner Seite veröffentlichen darf. Sie nehmen uns mit auf eine 20.000 km !!! langen Abenteuerreise in die Mongolei. Den ganzen Blogbeitrag zur Reise im Detail, findet man auf Benno Cramers Seite Viel Spaß bei Lesen!

Die Cramers: Was 1994 als Solotour mit dem Motorrad rund um das Mittelmeer von Benno begann, leben wir als Paar und nun auch als Familie seit mittlerweile 20 Jahren weiter. Gereist sind wir immer, ob mit dem Rucksack nach Thailand, auf dem Motorrad nach Rumänien und in den Oman oder mit dem Leihwagen durch Ägypten. Und immer wieder mit Pick Up und Absetzkabine. Angetan haben es uns hier ganz besonders die arabischen Länder, wie Libyen, Algerien, Tunesien,Syrien, Jordanien, Türkei. Vieles davon geht momentan leider nicht mehr zu bereisen. Auch mit
Kind haben wir unsere Leidenschaft weiter verfolgt und sie erfolgreich infiziert. Unsere letztjährige Fahrt in die Mongolei war ein beeindruckendes Erlebnis für uns als Familie. Nach ihrem Reisewunsch gefragt, sagt unsere Tochter, ob man nicht die Türkei mit dem russischen Altaigebirge verbinden könne. Lässt sich alles machen…

Ein Reisebericht von Stefanie, Benno und Maya Cramer

Unser Fernweh treibt uns an. Wir wollen fahren können, ohne ständig an Grenzen zu stoßen.
Ohne Verbotsschilder da campieren dürfen, wo es uns gerade gefällt. Ein Reiseziel schwirrt uns
schon seit längerem im Kopf herum. Die Mongolei soll es sein. Nicht endende Weiten, eine
fremde Kultur und grandiose Naturschönheiten – so stellen wir es uns vor. Das ganze Vorhaben hat nur einen klitzekleinen, scheinbar unüberwindbaren Haken: die Schulpflicht unserer bis dato siebenjährigen Tochter. Benno und ich flachsen zu Hause im Büro so vor uns hin und seine
Bemerkung: „Das machst du sowieso nicht.“ stachelt mich dazu an, flugs das Telefon in die
Hand zu nehmen und die Schulrektorin anzurufen. Nach fünf Minuten beende ich, eine Spur
blasser geworden das Telefonat. Wir haben das Einverständnis der Schule, unsere Tochter
Maya bereits vier Wochen vor Beginn der sechswöchigen Sommerferien vom Unterricht
befreien zu lassen. „Siehst Du!“ Bennos Grinsen besiegelt das Reisevor haben. Wir fahren im
Sommer zehn Wochen in die Mongolei! Auf der Weltkarte eines alten Schulatlanten bekomme
ich gezeigt, dass man eigentlich ziemlich Schwupps schon da ist. Fast. Reisebegleitung haben wir in Olga und Helmut aus Österreich schnell gefunden und so geht es mit zwei Fernweh-
Mobilen auf große Fahrt. Zur Vorbereitung besuchen wir einen Russischkurs der Volkshochschule und machen uns mit dem kyrillischen Alphabet, den Zahlen und ein paar
umgangssprachlichen Floskeln vertraut. So können wir unterwegs zumindest Verkehrsschilder lesen und kommen mit der Infrastruktur in Russland ganz gut zurecht. Durch die unsichere Lage in der Ukraine entscheiden wir uns für eine Anreise von Travemünde nach Ventspils in Lettland.

Während der Fährfahrt haben wir die erste Krise mit Maya, die fürchterlich enttäuscht über die fehlende Kinderbelustigung auf der Fähre ist und am liebsten nur noch nach Hause möchte. Sie vermisst die gewohnte „Bällebude“ an Bord und kann den Wodka seligen LKW-Fahrern nicht viel abgewinnen. Wie sich im Laufe der Reise herausstellt, soll dies der einzige Moment während unserer gesamten Reise bleiben, an dem sie keine Lust mehr hat. Lettland ist schnell durchfahren und auch unsere Einreise nach Russland verläuft völlig unproblematisch. Eine nette Grenzbeamtin hilft uns sogar beim Ausfüllen der benötigten Formulare. Ehe wir uns versehen, betreten wir erstmals russischen Boden. Die Realität des russischen Straßenverkehrs holt uns schnell ein. Die gnadenlose Fahrweise der Russen, seien es LKWs oder PKWs, und die extrem schlechten Straßenverhältnisse entlang der weißrussischen und ukrainischen Grenze fordern Benno während der Fahrt höchste Konzentration ab.

Es gilt Kilometer zu machen und wir finden uns ein in unser Nomadenleben.

Auf der Suche nach einer Internetverbindung landen wir schließlich bei McDonalds. Die freundliche Kassiererin fragt mich bei der Bestellung wiederholt, ob ich wirklich „eins“ möchte. Froh darüber wenigstens etwas auf russisch zu verstehen, nicke ich eifrig und antworte auf ihre Fragen immer wieder mit „Ja, ja eins!“. Das Ganze endet, sehr zur Freude von Maya, in einer Fastfood Völlerei ungeahnten Ausmaßes, da ich die ganze McDonalds Speisekarte rauf und runter bestellt habe.

Wir erwarten mit Spannung die Einreise nach Kasachstan und werden nicht enttäuscht. Die Landschaft verändert sich fast augenblicklich und unser erster Übernachtungsplatz in Kasachstan befindet sich auf einer wunderbar riechenden Blumen- und Kräuterwiese. Doch die Landschaft wird zusehends karger und karger. Links und rechts der Straße begleitet uns endlose und recht eintönige Steppe. Wir freuen uns, wenn zur Abwechslung Kamel- und Pferdeherden am Straßenrand zu sehen sind. Ein freundlicher Pferdehirte springt sofort vom Pferd, als wir ihn fotografieren wollen und lässt Maya ein paar Runden reiten. Die Sonne wird immer gnadenloser, je weiter wir nach Süden kommen. Das Thermometer klettert auf über vierzig Grad im Schatten und auch nachts bleibt es sehr heiß. Passend dazu durchfahren wir schier endlos lange Baustellen und müssen wegen des mehlig feinen Staubes Fenster und Lüftung geschlossen halten. Das Auto wird zum Brutkasten. Erholung erhoffen wir uns für ein, zwei Tage in Türkistan. Hier ist mit dem Mausoleum etwas vom Flair der alten Seidenstraße zu spüren. Doch die Hitze treibt uns nach einem kurzen Besichtigungsstop aus der aufgeladenen Stadt. Selbst die Autos schwirren wie aufgescheuchte Wespen durch die Straßen. Im Süden Kasachstans werden auch unsere Kontakte zur Polizei unangenehmer. Selbst für kleinste Verkehrsverstöße, wie vergessenes Licht während der Fahrt, werden Bußgelder von bis zu 750 Dollar verlangt. Nach zähem Verhandeln bezahlen wir regelmäßig nur einen Bruchteil der Strafe, bekommen natürlich auch nie eine Quittung. Diese ständigen Kontrollen werden mit der
Zeit lästig und grenzen schon fast an Wegelagerei. Kasachstan wird für uns mehr oder weniger zum Durchreiseland und wir hinterlassen unseren „Wegezoll“ bei der heimischen Polizei. Einen lohnenden Abstecher machen wir in ein malerisches Seitental des Flusses Ile. Hier werden wir mit einem wunderschönen Nachtplatz, einer Bademöglichkeit und sehr schönen Buddha Gravuren im Fels belohnt.

Bei der Ausreise kann ich es mir nicht verkneifen zu sagen: „Jetzt haben wir uns hier durchgekämpft!“ und werde prompt von unserer Tochter eines Besseren
belehrt. „Mama, wieso gekämpft?“ Da kann ich auch nichts mehr erwidern. Ganz der Papa.
Unsere Tage sind mit Fahren, den alltäglichen Verrichtungen und für Maya zusätzlich noch mit Lernstoff für den ausgefallenen Schulunterricht ausgefüllt.

Die Kabine ist wieder einmal unser lieb gewonnenes Zuhause geworden.

Abends bleibt uns dennoch Zeit für Erkundungen und Spiele mit dem, was sich in der Natur gerade bietet. Das mitgenommene Spielzeug rückt mehr und mehr in den Hintergrund.

Ein weiteres Mal reisen wir nach Russland ein. Diesmal schon
wesentlich routinierter, da wir die Formulare nun bereits kennen. Es erstaunt uns immer wieder, wie abrupt sich die Landschaft nach einer Grenze ändern kann. Das russische Altaigebirge empfängt uns mit guten Straßen, riesigen Waldgebieten und Unmengen an Stechmücken. Die selbst für sibirische Verhältnisse extreme Mückenplage resultiert aus den anhaltend starken Regenfällen, die bis ungefähr zwei Wochen vor unserer Ankunft für hohe Überschwemmungen gesorgt haben. Am Fluss Katun wurden alleine vier Brücken aufgrund der Schäden gesperrt.Wir lassen es uns nicht nehmen und erkunden eine davon wenigstens zu Fuß. Es ist kaum zu glauben, dass diese bis vor Kurzem noch mit PKWs zu befahren war.

Ein Picknickplatz am Fluss lädt uns zum Verweilen ein. Maya bekommt von einem russischen Mädchen Gesellschaft zum Spielen. Die Verständigung klappt auch ohne Worte. Abends in der heimeligen Kabine sehen wir aus unserem Fenster direkt aufs Wasser und fühlen uns wie auf einem Boot. Auch bei der Weiterfahrt können wir uns dem Zauber und der Spiritualität der Berge und Flüsse nicht entziehen. Bei einem der zahlreichen Souvenirstände erstehen Maya und ich einfache Altai Flöten. Abends bei einem wildromantischen Nachtplatz auf einer Almwiese setzen wir uns abseits auf einen Stein und flöten in die Bergwelt. Über uns zieht ein Adler seine Kreise.
Momente, die man nie vergisst. Sehr früh am nächsten Morgen werden wir äußerst unsanft
geweckt. Jemand wackelt ziemlich heftig an unserem Auto herum. Erst mal gucken gehen. Und
schon springt Benno in Nachtwäsche heftig gestikulierend und schreiend auf der Wiese hin und her. Die riesige Kuhherde, deren Zuhause unsere Wiese ist, hat sich im Morgengrauen
angeschlichen und unser Auto zum Kratzbaum umfunktioniert. Gott sei Dank, ohne Schäden
anzurichten.

Je höher die Straße klettert,desto weitläufiger werden die Täler. Als wir schließlich auf einer Hochebene von zweitausend
Metern Höhe fahren, ist auch der Baumbestand verschwunden. Dafür begleiten uns jetzt
schneebedeckte Viertausender, ein imposanter Anblick.

Die letzte russische Stadt vor der mongolischen Grenze, wartet mit einem sehr gut sortierten Supermarkt auf, den wir für einen Großeinkauf nutzen. Recht früh am nächsten Morgen fahren wir auf die russische Grenze zu.Ein unscheinbares kleines Containerhäuschen übersehen wir fast, wäre vor der Tür nicht eine Ansammlung von Wartenden zu sehen. Hier müssen wir uns die ersten Stempel für die Ausreise holen. Gar nicht so einfach, wenn alle nach uns ankommenden Busladungen von Mongolen ihre Reisepässe ganz ungeniert an die vor uns Stehenden weiterreichen. So hat jeder Mongole, der vor uns im Häuschen verschwindet einen Riesenstapel von Reisepässen in der Hand und es dauert endlos, bis er wieder herauskommt. Aber irgendwann sind wir trotzdem auch mal dran und weiter geht es zur Zollabfertigung. Schon wieder warten. Die Zeit vertreibe ich mir ein bisschen und stelle mich aus Langeweile auf die große Gepäckwaage. Da höre ich lautes Kichern hinter mir. Die wartenden Mongolen amüsieren sich köstlich über mich. Schnell runter von der Waage. Aber kaum drehe ich ihnen den Rücken zu, klettern sie selbst auf die Waage. Jetzt ist es an uns zu schmunzeln. Die Mongolen sind halt sehr neugierig. Unsere gute Laune verfliegt schlagartig, als wir die Einreisepapiere für unser Auto beim russischen Zoll vorzeigen sollen. Wo ist nur dieser verflixte Zettel? Die hochschwangere Zollbeamtin redet heftig auf russisch auf uns ein, verlangt die Papiere immer energischer. Gleichzeitig werden wir immer nervöser. Mit Händen und Füßen machen wir ihr begreiflich, dass der Zettel weg ist. Ihr ist anzusehen, dass sie verzweifelt nach einer Lösung sucht, wie sie uns irgendwie abfertigen
kann. Nicht, dass jetzt vor lauter Aufregung noch das Baby kommt. Aber wofür gibt es schließlich Vorgesetzte? Den Herbeigerufenen bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Schnell ein
leeres Formular herbei, ein paar Zahlen draufkritzeln, stempeln, fertig! Leicht ins Schwitzen
geraten, steigen wir in unser Auto ein und fahren durch das Niemandsland auf die mongolische
Grenze zu. Die Straße verwandelt sich fast augenblicklich in eine Piste und an den Hängen sehen wir riesige Murmeltiere hin und her flitzen. Nach einem dubiosen Desinfektionsbad für unser Auto betreten wir das mongolische Grenzgebäude. Hier ist die Stimmung sofort ganz anders. Die Mitarbeiter versuchen uns beim Ausfüllen der Einreiseformulare zu helfen. Sie möchten uns vor ihrer Mittagspause noch abfertigen. Doch wir sind zu langsam. Schon kommt
ein Kollege mit einer großen Milchkanne voll Suppe um die Ecke und alles ist wie leergefegt.
Jetzt haben wir für die nächsten zwei Stunden Zeit. Wir gehen in unsere Kabine und kochen in
aller Ruhe Mittagessen. Nach der Mittagspause geht die Einreise schnell und unkompliziert vonstatten. Das Häuschen, in dem die Kfz-Versicherung für die Mongolei abgeschlossen wird,
ist ein Stück weit entfernt und sieht nicht sehr vertrauenerweckend aus. Noch viel weniger der
Beamte und die beiden Geldwechsler, die sich uns regelrecht aufdrängen. Es hilft alles nichts,
alle Mann ab ins Häuschen und tatsächlich versuchen sie, uns beim Geld wechseln übers Ohr
zu hauen. Nach zähen Verhandlungen ist alles erledigt und wir können weiter. Wir sind in der
Mongolei angekommen! Ein heftiges Glücksgefühl durchströmt uns. Während der Weiterfahrt
über Wellblechpiste sehen wir Mongolen mit ihren Viehherden, die ihre Jurten als Sommerlager im Hochland aufgebaut haben.

Staunend betrachten wir die ersten Yaks und die gesamte
Szenerie sieht aus, wie einem Bilderbuch entsprungen. Wir befinden uns jetzt im mongolischen
Altai, beständig auf einer Höhe von über zweitausend Metern und auch die schneebedeckten
Berge begleiten uns die nächsten Tage weiterhin.

Die Viehhirten, denen wir begegnen,
interessieren sich nicht weiter für uns. Fragen höchstens mal nach Alkohol oder Zigaretten.Wenn wir beides verneinen, verabschieden sie sich schnell wieder und reiten ihres Weges. Auf einmal erblicken wir während der Fahrt am Wegesrand einen Mongolen mit seinem mächtigen Adler. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Schnell hin. Tatsächlich dürfen wir den, aus der Nähe betrachtet noch imposanteren, Adler sogar mit Handschuh tragen. Benno bekommt eine Tracht angezogen und schon steigt bei dem Tier das Jagdfieber. Dagegen ignoriert der Adler Maya und mich gänzlich. Er nimmt uns einfach nicht für voll.

Für die Weiterfahrt haben wir die südliche Route gewählt. Die Pisten werden immer weitläufiger und das Wellblech immer höher. Das Vorwärtskommen ist teils ein mühsames Unterfangen. Belohnt werden wir dafür mit grandiosen Landschaften und malerischen Nachtplätzen.

Die befürchteten Überschwemmungen und hohen Flußdurchfahrten, von denen uns Reisende bereits in Russland erzählt hatten, sind vorbei. Einzig weggespülte Straßen sind hier und da als Folge noch zu sehen. So reiht sich ein Tag an den anderen auf unserer Fahrt Richtung Ulaanbaatar.
Während einer Mittagspause in der Steppe hält auf einmal ein Pickup mit einheimischem
Kennzeichen neben uns an. Ein Europäer steigt aus und spricht uns auf deutsch an:
„Herzlichen Glückwunsch!“ Wir sind mehr als verdattert und gucken anscheinend auch so. Da
holt er weiter aus: „Herzlichen Glückwunsch zum Fußballweltmeister!“ Jetzt ist der Groschen bei uns gefallen. Wir amüsieren uns anschließend mit Aart, der seit Jahren in Ulaanbaatar arbeitet
und in seiner Freizeit die Pisten unsicher macht, köstlich darüber, dass ein Holländer in der
mongolischen Steppe Deutschen erzählen muss, dass sie Fußballweltmeister geworden sind.
Diese Tatsache ist nämlich komplett an uns vorbeigegangen. Er warnt uns noch vor den
Asphaltstraßen Richtung Hauptstadt, die noch schlechter zu befahren seien, als die
allgegenwärtigen Wellblechpisten. Er soll recht behalten, denn riesige Kraterlöcher und
Bodenwellen im Asphalt lassen sich oft erst zu spät erahnen.

Auf den Straßen und Pisten
kommen uns immer wieder kleine, total überladene LKWs entgegen, die sich, mit sämtlichem
Hab und Gut beladen, auf dem Weg von den Naadam Feierlichkeiten im ganzen Land zurück in
ihr Sommerlager befinden. Schade ist nur, dass wir für das Naadam Fest zu spät dran sind. Wir
sind froh, in Ulaanbaatar im Guesthouse Oasis ein paar Tage Pause einlegen zu können.
Benno hat hier Gelegenheit die vordere Stoßstange wieder anschweißen zu lassen. Diese war uns nach den Hunderten von Kilometern Wellblech mit dem schweren HiLift daran unterwegs
abgerissen.

Maya und ich nutzen die Tage, um die Stadt zu erkunden. Auch wenn aufgrund der
Ferienzeit sehr viele Sehenswürdigkeiten geschlossen sind. Langsam drängt die Zeit. Die
Rückreise durch Sibirien ist weit und wir wollen noch ein paar Tage am Baikalsee verbringen.
Also fahren wir auf direktem Weg zur russischen Grenze. Dieser Grenzübertritt wird der anstrengendste und zeitaufwendigste der ganzen Reise. Ich muss immer wieder über unsere
Tochter staunen, die die schier endlose Wartezeit von acht Stunden in einer Gluthitze ohne
Maulen erträgt. Wir sind ein perfekt eingespieltes Team geworden und genießen unsere Auszeit als Familie. In der Region um den Baikalsee empfängt uns sehr viel herzliche Gastfreundschaft und wir bekommen eine Ahnung von der russischen Seele. Dass die Russen ihren Baikalseeals Sehnsuchtsort empfinden, können wir sehr gut nachvollziehen. Die ganze Stimmung dort
nimmt uns gefangen. Abends bei unserem Nachtplatz am Ufer des Sees werden wir ganz
selbstverständlich in eine russische Großfamilie aufgenommen und Benno in die Kultur des
Wodka-Trinkens eingeweiht.

Auf die Gurke kommt es an! Oma füttert mich unterdessen mit
den Fingern mit geräuchertem Omul. Einem Fisch, der nur im Baikalsee vorkommt und an
zahlreichen Straßenständen verkauft wird. Nach einem opulenten Abendessen tauschen wir
uns mit Händen und Füßen sehr rege aus und haben eine wunderbare Zeit. Selbst das Wetter
spielt mit, so dass wir sogar im See schwimmen gehen können. Aber auch die schönste Zeit hat
einmal ein Ende.

Es heißt Kilometer zu machen, denn Maya muss pünktlich zum Ende der
Sommerferien wieder zu Hause sein. So stürzen wir uns auf der sibirischen Transitstrecke in
den Verkehr und bangen so manches Mal, ob die gewagten russischen Überholmanöver auch
wirklich gut gehen. Bewundernswert sind dagegen die Beifahrerinnen, die selbst bei übelsten
Straßen und Fahrweisen, in aller Seelenruhe schlafen. Oder bekommen die wohl vor der Fahrt
K.O. Tropfen? Lachen müssen wir, als Maya von hinten die Bodenwellen-Schilder kommentiert.
„Habt ihr eigentlich schon gesehen, dass die Bodenwellen auf den Schildern immer höhergemalt werden, wenn die Straße ganz schlimm wird?!“ Und tatsächlich, die Schilder werden den Straßenverhältnissen angepasst. Ganz übel wird es, als die Wellen einmal bis in die Spitze des Schildes ragen. Maya ist äußerst fasziniert von den Straßenständen mit Pilzen, Beeren und anderen Kuriositäten und belagert uns damit, ihr Taschengeld aufbessern zu dürfen.

Sie lässt
sich nur schwer davon abbringen, ins sibirische Unterholz zu kriechen und einen eigenen
Straßenverkauf mit Steinpilzen zu starten. Wir müssen sie auf zu Hause vertrösten. Ja, zu
Hause rückt immer näher und wir müssen nach knapp zwanzigtausend Kilometern und zehn Wochen Abschied nehmen von unserer Reise. Es war eine wunderbare Erfahrung, die wir
zusammen machen durften. Auf meine Frage hin, ob sie das Fernsehen nicht vermisst hätte,
antwortet unsere Tochter: „Aber Mama, ich hatte doch Lernsehen!“

Reiseführer und Kartenmaterial
Reiseführer Mongolei Reise Know-How Verlag ISBN 978-3-8317-2544-1

Mongolei: Unterwegs im Land der Nomaden Trescher Verlag ISBN 978-3-89794-268-4

Landkarte Mongolei 1:1.600.000 Reise Know-How Verlag ISBN 978-3-8317-7303-9 

Autokarte Zentralasien freytag & berndt Verlag ISBN 978-3-7079-0975-3

Straßenatlas Mongolei mit Spiralbindung z.T. erhältlich an mongolischen Tankstellen enthält auch die noch so kleinste Piste

Navigation
Navigattor Camel 8
Deutsche Bezugsadresse: Jörg Gienapp, www.fincatours.de, jordi@navigattor.com, 0175-9118278 Bietet auch Praxis-Workshops zum Handling nach Absprache an.
Wir sind während der gesamten Reise mit Kartenmaterial von OpenStreetMaps gefahren, die uns zu Hause direkt auf unser Navi eingespielt wurden.

Übernachtung und Campingplätze
Außer einmal im russischen Altai und in Ulaanbaatar haben wir immer frei campiert. Während der gesamten Reise hatten wir hierbei nie unangenehme Erlebnisse. Man sollte sich nur an allgemeine Vorsichtsmaßnahmen halten und nicht in der Nähe von größeren Städten und direkt neben Hauptverkehrsstraßen schlafen. So lassen sich unerwünschte nächtliche Besuche vermeiden. Die Mongolei ist sowieso ein einziger riesig großer Campingplatz…
Unbedingt empfehlenswert ist das bekannte Guesthouse Oasis in Ulaanbaatar www.guesthouse-oasis.mn . Im Januar 2006 von einem deutsch-österreichischem Ehepaar eröffnet, befindet es sich seit Mai 2013 unter mongolischer Leitung. Mit einer super Lage für Ausflüge in das Stadtzentrum ist es die Adresse, um sich aufzufrischen und für die Weiterfahrt zu rüsten.

Versorgung unterwegs
Einkaufsmöglichkeiten gibt es auch auf dem Land in jedem Dorf. Die Auswahl ist bescheiden, aber absolut ausreichend.
Tankstellen sind ebenfalls in jedem etwas größeren Ort vorhanden. Wie auf Reisen üblich, lieber frühzeitig Tanken, da Diesel auch schon mal „aus“ sein kann und es noch bis in den nächsten Ort reichen muss.
Da wir mit Kind unterwegs sind und uns um sauberes Trinkwasser keine Sorgen machen wollen, haben wir eine Wasserfilteranlage in der Kabine. So können wir jederzeit und ohne Probleme Wasser aus Bächen und von teilweise nicht so Vertrauens erweckenden öffentlichen Brunnen tanken.

Telefonieren und Internet
Handyempfang gibt es nur in der Nähe von größeren Ortschaften. Manchmal haben kleine Cafés auf dem Land sogar WiFi.

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