Stage 1 Uchizy / Saone
Wenn es Richtung Spanien geht, für uns ein idealer Zwischenstopp. Nach den ersten 660 Kilometern haben wir den perfekten Zwischenstopp auf dem Weg nach Spanien angesteuert: den Camping d’Uchizy.
Der Platz liegt wunderschön direkt an der malerischen Saône – ein absoluter Traum, an dem man am liebsten bleiben möchte. Besonders Ornithologen kommen hier voll auf ihre Kosten, denn am Flussufer ist tierisch was los!



Stage 2 Palast des Postboten (Palais Ideal)
In dem berührenden Film „Der Palast des Postboten“ habe ich zum ersten Mal von der Geschichte des Postboten erfahren. (Den Film gibt es aktuell in der ARD-Mediathek.) Für uns ein Anlass, dieses Bauwerk auf unsere „Bucket List“ zu setzen.
Wenn man den Film gesehen hat und dann im französischen Dorf Hauterives vor diesem Bauwerk steht, verschlägt es einem die Sprache. Das Palais Idéal ist ein ganz einzigartiges Meisterwerk naiver Kunst, das der einfache Landbriefträger Ferdinand Cheval ganz allein erschaffen hat. Seine verrückte Lebensgeschichte begann im April 1879, als er damals 43-jährig bei seiner täglichen 30 Kilometer langen Postrunde über einen komisch geformten Sandstein stolperte. Seitdem sammelte Cheval über drei Jahrzehnte lang auf seinen Touren skurrile Steine, Kiesel und Muscheln, die er zuerst in seinen Taschen und später kilometerweit mit einer einfachen Holzschubkarre nach Hause schleppte. Am Bauwerk selbst erkennt man, wie er im Laufe der Zeit seine baulichen Fähigkeiten steigerte.

In seinem Garten hat er das gesammelte Material in rund 93.000 Arbeitsstunden, ganz ohne architektonische Ausbildung, mit Kalk und Mörtel zu einem riesigen Palast zusammengefügt. Da Cheval seine Heimatregion praktisch nie verließ, holte er sich die Inspiration für die exotischen Fassaden nur aus den Bildern der ersten illustrierten Zeitschriften und Postkarten, die er täglich auslieferte. So entstand ein faszinierender architektonischer Mix, der Einflüsse aus hinduistischen Tempeln, arabischen Moscheen und mittelalterlichen Burgen aufweist. Obwohl das riesige Bauwerk nach seiner Fertigstellung im Jahr 1912 sogar Künstler wie Pablo Picasso begeisterte, lehnte es die Regierung ab, Cheval im Inneren seines Palastes beerdigen zu lassen. Unerschütterlich kaufte der inzwischen 78-Jährige daraufhin ein Plätzchen auf dem örtlichen Friedhof und baute dort in weiteren acht Jahren harter Arbeit sein ebenso beeindruckendes „Grabmal des Schweigens und der unendlichen Ruhe“. Das architektonische Genie des Postboten bekam späte, aber monumentale Anerkennung, als Frankreich den Palast 1969 offiziell unter Denkmalschutz stellte. Heute zieht das Palais Idéal jedes Jahr zigtausende Besucher an und zeigt eindrucksvoll, dass ein Mensch mit starker Willenskraft selbst die verrücktesten Träume in die Realität umsetzen kann.
Unbedingt empfehlenswert!









Stage 3 Yelloh! Brasila
Endlich am Meer. Aber noch auf französischer Seite.

Zum Camping Yelloh Brasilia gibt es wenig zu sagen, denn er wird vielen bekannt sein. Ein 5-Sterne-Campingplatz mit herrlicher Poolanlage und voller touristischer Infrastruktur für Camping auf höchstem Niveau. Wer Luxus mag, ist hier genau richtig und kann sich auf großzügige Stellplätze, moderne Sanitäreinrichtungen und zahlreiche Freizeitmöglichkeiten freuen, die auf die Bedürfnisse der Gäste zugeschnitten sind. Die Unterhaltungsprogramme und die Größe des Platzes haben wir keinesfalls als aufdringlich oder störend empfunden und haben uns sehr wohlgefühlt. Obwohl wir ja gerne und oft die einfachen Plätze bevorzugen. Aber ab und an schadet ein bisschen Luxus ja nichts. Wohlgemerkt haben wir uns zur ruhigen Vorsaison hier befunden. In der Hauptsaison wäre es wahrscheinlich nichts für uns.



Unweit des Campingplatzes gibt es eine „Fähre“, die einen für nur 0,50 Euro nach Canet-en-Roussillon bringt, wo man die Strandpromenade erkunden kann. Leider erwies sich die in die Jahre gekommene Urbanisation mit ihrem kleinen Hafen als wenig ansprechend; in meinen Augen hat sie kaum etwas zu bieten und wirkt durch die massiven Hochhäuser ohne Charme. Den eigentlichen Ort, der etwas weiter entfernt liegt, haben wir nicht erkundet. Vielleicht lag es an der Vorsaison, dass der Funke nicht übergesprungen ist, denn viele Geschäfte und Restaurants waren geschlossen oder hatten nur eingeschränkte Öffnungszeiten. Man erzählte uns, dass auch durch die immensen Winterstürme der letzten drei Jahre vieles gelitten hat.

Stage 4 Monasterio de Piedra
Jetzt noch mal die Zähne zusammenbeißen und uns auf den Weg machen: 600 km zum Camping Lago Resort in Nuévalos.
Von 5 Sternen am Yelloh! Brasilia auf Null Sterne am Camping Lago Resort in Nuévalos. d. h., für den reinen Stellplatz gibt es auch 5 Sterne. Denn der ist mit Blick auf den Speichersee. Der Rest des Camps ist abenteuerlich, aber wir haben ja auch alles an Bord.


Der Vorteil: Der Campingplatz liegt nur 3 km vom „Monasterio de Piedra“ entfernt. Unser nächster echter Geheimtipp.

Da das Kloster weit abseits der typischen Touripfade liegt, ist es (in Deutschland) kaum bekannt. Zumindest kannte es niemand, dem ich davon erzählt habe. Wir versinken in einer andere Welt. So etwas haben wir noch nicht erlebt. Zuerst geht es durch einen wunderbaren Kräutergarten.


Dann durch wunderbare Seenlandschaften. Im Hintergrund hört man das Bollern der ersten Wasserfälle. Das Monasterio de Piedra hat uns von der ersten Minute an in seinen Bann gezogen – ein Ort, an dem Geschichte, Natur und Stille eine ganz eigene Magie entfalten. Der gut ausgeschilderte Wanderweg schlängelt sich 8 km durch eine Märchenlandschaft.
Dann wird es spektakulär und man erreicht die ersten Wasserfälle.




Der Höhepunkt ist die Grotte Iris. Zuerst geht’s steile Treppen durch eine Höhle und dann hinter dem Wasserfall entlang. Spektakulär! Ziemlich durchnässt geht es durch einen Tunnel wieder in friedliches Terrain. Kaum weniger beeindruckend war die alte Fischzuchtanlage am Piedra-Fluss, die 1867 als erste ihrer Art in ganz Spanien angelegt wurde.




Ganz zum Schluss geht man ehrfürchtig durch die Klosteranlage. Teils gut restauriert, teils als Ruine erhalten. Gegründet wurde es 1194, als König Alfons II. von Aragon eine alte maurische Burg an 13 Zisterziensermönche verschenkte. 1534 brachte ein Mönch Kakaobohnen aus Mexiko mit und bereitete hier zum ersten Mal in Europa Trinkschokolade zu – wir standen also in der „Küche“, in der alles begann. Ein Tag, den wir so schnell nicht vergessen werden. Auch wenn das Kloster abgeschieden im Hinterland liegt. Dafür hat sich jeder Kilometer gelohnt.







Das „Monasterio de Piedra“ hat uns sprachlos hinterlassen – und jetzt ruft der nächste Spot!
Albarracín wartet auf uns – eines der schönsten Dörfer Spaniens.

Der Weg dorthin? Menschenleere Landschaften, schnurgerade Straßen.
Dann ein Schreck am Mittag. Auf dem Weg vom Kloster zum nächsten Highlight Albarracín leuchtet plötzlich der Werkzeug-Schlüssel im Display des Ford Rangers auf und das Fahrzeug geht in den Notlauf. Nein, bitte nicht hier am Ende der Welt. Mitten in Spanien, fern vom nächsten Service. Wir halten an. Motor aus und warten. Mir fällt der Spruch ein: „Er fuhr Ford und kam mit dem Bus wieder …“ Dann erneuter Start. Und das Werkzeugsymbol ist weg! Mit Bauchgrummeln geht es weiter. Bitte, bitte halte durch, zumindest bis wir wieder an der Küste sind. Der Ranger hält. Gott sei Dank! Später hat er uns noch einmal geschockt. Insgesamt hat er aber die über 4000 km Gesamtstrecke anstandslos abgespult. Ursache bis heute unbekannt. Es wurden keine Fehler im Speicher hinterlegt.
Warum wir so gerne im Frühsommer in den Süden fahren? Darum!

Jetzt zeigt sich die Natur von ihrer schönsten Seite: Bunte Blumenwiesen leuchten in allen Farben, die Landschaft wirkt lebendig und frisch. In wenigen Wochen wird die Sommerhitze vieles davon austrocknen und die satten Grüntöne werden verschwinden.
Angenehme Temperaturen, blühende Natur und unvergessliche Ausblicke direkt vor der Wohnkabinentür.
Stage 5 Albarracin
Um eine der schönsten Städte Spaniens zu erkunden, nutzen wir den recht neuen, aber einfachen Stellplatz, 2 km außerhalb des Ortes. Der nette Besitzer fährt uns sogar kostenlos in die City. Noch nicht mal ein Trinkgeld will er haben. Albarracín – für viele das schönste Dorf Spaniens. Und nach unserem Besuch verstehen wir auch, warum.

Die verwinkelten Gassen und die mächtige Stadtmauer versetzen einen in eine andere Zeit. Hinter jeder Ecke wartet ein neues Fotomotiv.



Gemütlich bummeln wir durch die grandiose Altstadt. Fotomotive ohne Ende.


Allerdings gibt es kaum Geschäfte und die Restaurants sind wochentags geschlossen oder einige wenige öffnen erst ab 20.00 Uhr. Seltsam, unterwegs treffen wir einige Touristen, die alle auf Nahrungssuche sind. Ein offenes Restaurant wäre jetzt eine gute Geldeinnahmequelle. Dann essen wir halt unsere Reserven vom heimischen Metzger.
Übernachtet haben wir auf diesem Stellplatz, 2 km vom historischen Stadtkern entfernt.
Stage 6 Baranco de la Hoz
Eine spektakuläre Wanderung über angelegte Stege durch die Bergwelt entlang eines Flusses. Die Wanderung durch den Barranco de la Hoz beginnt im Dorf Calomarde nahe Albarracín. Dort gibt es einen Parkplatz und eine Übernachtungsmöglichkeit für Womos. Der Weg führt direkt durch die tiefe Schlucht des Flusses Río Blanco. Spektakuläre Stege und Hängebrücken sind fest in den steilen Felswänden über dem Wasser verankert.


Steile Felswände, spektakuläre Ausblicke und eine Landschaft, die wirkt, als wäre sie direkt aus einem Abenteuerfilm entsprungen. Aber aufgepasst: In Spanien gibt es mehrere Wandergebiete mit dem Namen „Barranco de la Hoz“. Dieses befindet sich am Ort Calomarde / Teruel

Wer mit offenen Augen wandert, entdeckt einige Tiere, die sich gut versteckt haben.

Wahrscheinlich handelt es sich um eine Vipernatternatter (Natrix maura), eine ungiftige Wasserschlange, die in Spanien sehr verbreitet ist. Trotzdem habe ich die Idee, ins Wasser zu gehen, spontan verworfen …






Nach so vielen erlebten Eindrücken wollen wir wieder an die Küste und etwas relaxen.

Während man an vielen Küstenabschnitten immer wieder auf Höhenbegrenzungen und Schranken stößt, genießt man hier deutlich mehr Freiheit. Kilometerlange Pisten führen durch beeindruckende Landschaften, vorbei an einsamen Tälern, Felsformationen und kleinen Dörfern
Stage 7: Malvarrosa de Corinto
Marokko? Nein, Spanien!
Auf den ersten Blick könnte man meinen, wir wären irgendwo in Marokko gelandet. Doch dieser herrliche Palmengarten gehört zu einem einfachen, aber äußerst charmanten Campingplatz: „Malvarrosa de Corinto“, nördlich von Valencia.
Zwischen hohen Palmen, Fasanen und entspannter Atmosphäre lässt es sich wunderbar abschalten.
Manchmal sind es eben nicht die luxuriösen Anlagen, sondern die kleinen, authentischen Plätze, die einem in Erinnerung bleiben.


Am Campingplatz „Malvarrosa de Corinto“ bekommen wir genau das, was wir suchen. Einen Stellplatz direkt am Strand. Der Campingplatz ist fast komplett von einheimischen Dauercampern und ihren Hütten belegt. Vielleicht ein Anteil von 5 % deutschen Touristen. Dementsprechend ist in der Woche wenig los und es herrscht eine relaxte Stimmung. Mit einem kleinen Supermarkt, ohne Animation und sonstigen Extras. Beim ADAC-Ranking würde er vermutlich durchfallen. Wahrscheinlich schon wegen der kalten Dusche. (Korrektur: Ab heute gab es sogar richtig heißes Wasser.)


Aber es ist für uns das Paradies. Mit einem herrlichen Palmengarten und freilaufenden Pfauen. Ich fühle mich wie in Marokko. Eine ganz besondere Stimmung, die an diesem Campingplatz herrscht. Wir haben direkt den Aufenthalt verlängert und waren bestimmt nicht das letzte Mal hier.

Stage 8: Coves de Sant Josep
Auf der Reise Richtung Roses haben wir noch ein Highlight auf dem Plan.
Nur etwa 50 km nördlich von Valencia liegt eines der außergewöhnlichsten Naturwunder Spaniens: die Coves de Sant Josep in Vall d’Uixó. Hier fließt der längste schiffbare unterirdische Fluss Europas über mehrere Kilometer durch ein beeindruckendes Höhlensystem.
Die Tour führt mit kleinen Booten durch die Unterwelt, vorbei an Tropfsteinformationen und Höhlenräumen.
TIPP: Tickets unbedingt vorab online kaufen.



Stage 9: Vorletzter Stop: Und immer wieder Roses
Wie jedes Mal, wenn wir in Spanien sind, beschließen wir die Reise am Camping Laguna in der Nähe von Roses. Wir sind überrascht, wie voll er dieses Jahr im Juni ist.

In Roses wurde eine stattliche Schlange dabei erwischt, wie sie offenbar einen unerlaubten Besuch im Tourismusbüro plante.


Ein aufmerksamer Passant reagierte geistesgegenwärtig und hielt den ungebetenen Gast mit einem Putzschrubber auf Abstand, bis die alarmierte Polizei eintraf und schließlich ein Schlangenexperte die Situation übernahm.
Sachen erlebt man unterwegs…

Wir finden etwas abseits ein ruhiges Plätzchen. Nicht direkt am Strand, dafür Richtung Naturschutzgebiet.




Wir genießen die letzten Tage, nutzen die spanische Küche, faulenzen am Strand und besuchen die heimischen Märkte.

Camping in Spanien nimmt mittlerweile skurrile Züge an! Wer hätte gedacht, dass es einmal völlig normal sein würde, seinen ganzen Hausstand aus Deutschland mitzuschleppen?
Da finden sich Fritteusen, Nespresso-Maschinen, Airfryer, Kühl-/Gefrierstandgeräte, Mikrowellen, elektrische Eierkocher und sogar nervige Klimaanlagen im Gepäck!
Vorbei die Zeit der Stille und das Lauschen in die Natur. Jetzt hört man nur noch das Rauschen der Klimaanlagen. Eine Entwicklung, die mir missfällt und mich abhält, stark frequentierte Campingplätze aufzusuchen. Was auf Grund der Massen der Reisenden zunehmend schwerer fällt.
Der Höhepunkt war ein Camper, der tatsächlich einen Kärcher-Industrie-Staubsauger (ja, die große gelbe Tonne!) mitschleppte, um sein Auto auszusaugen.
Ich liebe unseren Minimalismus, den uns unser Fahrzeug auferlegt.

Zurück auf Start
Der Kreis schließt sich: Nach vielen Erlebnissen, unzähligen Kilometern und beeindruckenden Landschaften sind wir wieder dort angekommen, wo unsere Reise begonnen hat.
Diesmal vorab mit dem Besuch einer Patisserie.

Noch einmal genießen wir den traumhaften Stellplatz direkt an der Saône und lassen die vergangenen Wochen Revue passieren.
Jetzt liegen nur noch rund 650 Kilometer Richtung Norden vor uns, dann endet diese Tour. Mit vielen neuen Eindrücken, tollen Begegnungen und jeder Menge Erinnerungen im Gepäck geht es langsam zurück nach Hause.

