Alle Jahre zum Saisonauftakt trifft man sich in Kalkar: Die Offroader, die Expeditionsmobile, die Softroader, die Van-Community, die Dachzeltnomaden und natürlich immer stark vertreten: die Fans der Pickup-Camper. Dieses Jahr waren es auffällig viele. Gefühlt steigt die Anzahl der Wohnkabinenfreunde. Gerade bei den unberechenbaren Wetterverhältnissen ist ein gemütlicher Pickup-Camper mit einer Standheizung genau das Richtige. Aber das Wetter meinte es in diesem Jahr gut mit den 4×4-Fans. Kalt, aber überwiegend sonnig.


Vielfalt wird großgeschrieben.


Pickup-Camper in der Überzahl
Im Campground sind sie alle versammelt: vom harten Pickup-Camper in Offroad-Vollausstattung bis hin zu großen Alkoven-Hardwall-Wohnkabine zum gemütlichen Overlanding
Come together

Früh am Morgen habe ich die Gelegenheit genutzt, um mich mit den Veranstaltern des ersten Pickup-Camper-Treffens in Xanten zu verabreden. Siehe auch meinen Bericht: „Pickup-Camper-Szene trifft sich in Xanten – Treffen NRW 2026„. Außerdem organisieren Lisa und Marc im Mai ein Nordstar-Treffen auf gleichem Gelände in Xanten.
Die Messe
Wie immer gibt es ein Aussteller-Außengelände und die Hallen des Messegländes auf dem Gelände des ehemaligen Atomkraftwerk zu besichtigen.
Als Erstes ist mir eine Kabine aufgefallen, die ich bislang so noch nicht auf dem Radar hatte.
Infanta 4×4 Europe:
Dieses Konzept aus Südafrika setzt auf eine Monocabine, vorwiegend für Single-Cab-Fahrzeuge, um das Gewicht vor der Hinterachse zu halten. Die Kabine ist nur 2,25 m hoch, wodurch sie in Standardcontainer passt, was die Verschiffungskosten nach Übersee (z. B. Afrika oder Südamerika) günstig hält. Ein mechanischer Slide-out ermöglicht das Querschlafen im Fahrzeug, während das Aufstelldach für Stehhöhe sorgt. Ein Konzept für echtes Offroaden und Weltreise. Die Funktionsweise ist in meinem Video zur Messe zu sehen.




Dactec
Wer sich für ein hochwertiges Fahrwerk, teilweise mit einer Auflastung bis 4,2 Tonnen für seinen Pickup-Camper, interessiert, sollte sich einmal bei den EFS-Fahrwerken von Dactec umschauen.

Im Außengelände gibt es einige Ausstellungsfahrzeuge für die harte Offroad-Fraktion zu sehen.


BAW 212
Kaum eine Chance zu fotografieren. Dicht umzingelt ist der BAW 212 – ein China-Kracher mit Vollausstattung für 40.000 €. Inkl. Sperren, Seilwinde und Suchscheinwerfer. Und das in einer wirklich sehr guten Qualität, soweit es sich beim ersten Eindruck beurteilen lässt. Der Rest muss sich natürlich noch beweisen – Ersatzteilversorgung, Haltbarkeit, Rostanfälligkeit, Sicherheit … usw. Aber der erste Eindruck macht einen ein bisschen sprachlos, was für diesen Preis möglich ist.
Was hat das mit einem Pickup-Camper zu tun? Viel, denn er soll als Pickup nach Deutschland kommen! Wann, ist noch ungewiss, aber die Gerüchteküche brodelt. Ich bleibe dran!


Infoblock: Der neue BAW 212 (T01) wird seit Ende 2025 über den Importeur Indimo Automotive auf dem deutschen Markt als robuster Offroader mit Leiterrahmen und Starrachsen positioniert. Unter der Haube arbeitet ein 2,0-Liter-Turbodiesel, der 122 kW (166 PS) leistet und seine Kraft über ein 8-Gang-Automatikgetriebe sowie einen zuschaltbaren Allradantrieb mit Geländeuntersetzung überträgt. Das Fahrzeug ist für den europäischen Markt nach Euro 6 homologiert, erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h und bietet eine Anhängelast von bis zu 2.500 kg. Trotz seiner militärischen Wurzeln verfügt die deutsche Version über ein modernes Interieur mit digitalem Cockpit, 12,3-Zoll-Infotainment und modernen Assistenzsystemen inklusive 360-Grad-Kamera. Mit einem Einstiegspreis von rund 39.995 € zielt das Modell auf Kunden ab, die eine funktionale Alternative zum Jeep Wrangler oder Ineos Grenadier suchen. Zur Serienausstattung gehören oft bereits Offroad-Features wie eine mechanische Differenzialsperre an der Hinterachse sowie eine integrierte Seilwinde.
Multi4GmbH:


Sven Schröder habe ich auf seinem Stand von Multi4GmbH zum kurzen Interview getroffen. Hier wird ein rein elektrischer Pickup-Camper (KGM Musso EV) präsentiert. Das Besondere ist, dass die Wohnkabine direkt über den Fahrzeugakku mit 230 Volt versorgt wird. Dadurch kann ökologisch mit Induktion gekocht und elektrisch geheizt werden, ohne dass eine Dieselheizung oder separate Batterien in der Kabine nötig sind. Um die Reichweite zu optimieren, wurde eine extrem leichte Kabine (390 kg) entwickelt. Das Interview seht ihr im YouTube Beitrag zur Messe


Ist das die Zukunft? Zumindest eine Möglichkeit mit Potenzial. Nachzulesen auch in meinem Beitrag: „Die Zukunft der Pickup-Camper“
Womo for you / Tischer Freizeitfahrzeuge
Bei diesem Konzept von Oliver Gitschier wird der Pickup auf eine Flachpritsche (Flatbed) umgebaut. Zusammen mit der Tischer Freizeitfahrzeuge wurde diese Idee von Oliver umgesetzt. Dies erlaubt einen völlig neuen Grundriss: Bad und Küche rücken nach vorne, was den Schwerpunkt verbessert und das Aufschaukeln verhindert. Ein Highlight ist die multifunktionale Heck-Sitzgruppe, deren Sitze hochgeklappt werden können, um im Innenraum Fahrräder oder Sportgeräte zu transportieren.


Ellies Overland
Ellie Overland aus Köln : Jannis Josten zeigt mir die neue kompakte Festdachkabine der neuen Terrafox Wohnkabine, die fest mit dem Leiterrahmen des Pickups verbunden wird. Sie zeichnet sich durch ein abgeschrägtes Design und einen kurzen Hecküberhang für optimales Fahrverhalten aus. Auffällig ist die multifunktionale Dusche im Einstiegsbereich, die mit einem magnetischen Vorhang funktioniert und gleichzeitig als Schmutzfänger für nasse Schuhe dient. So wie ich es auch in meinem Camper verwirklicht habe ( Das Woko Projekt – Endspurt, Teil V)



Travelbox
Diese Kabinen werden sowohl als Leerkabinen für Selbstausbauer als auch voll ausgestattet angeboten. Der Fokus liegt auf Modularität: Statt einer festen Nasszelle wird durch portable Lösungen (wie Trenntoiletten und Gaskartuschenkocher) ein maximales Raumvolumen im Inneren geschaffen. Weitere Eindrücke sind im Video zu sehen.

XCE Overlanding
XCE Overlanding ist bekannt für nachhaltige Pop-up-Kabinen aus Multiplexholz, die ein gemütliches „Alpenhütten-Feeling“ vermitteln. Florian Fischer baut seine Kabinen am neuen Standort Übach-Palenberg mit einem beeindruckenden Scherenbeschlag, der die Dachschale jederzeit problemlos nach oben heben kann. Neu ist hier eine günstigere Basisvariante mit einfacherem Materialmix sowie die Entwicklung von Festaufbauten für größere Fahrzeuge wie den Iveco Daily. So kann Florian seine Kabinen zu einem wirklich günstigen Preis anbieten, was in der heutigen Zeit nicht ganz so einfach ist.

Cramer und Huß Gbr
Neues gibt es auch aus dem Hause Cramer-Technik. Dort werden neue Konzepte für die Ladefläche (siehe Bericht über die neue Ladefläche für des Fernweh-Mobil) wie zum Beispiel ein fix verbauter Kompressor, integrierte Beleuchtungen und spezielle Küchenmodule entwickelt. Für solche Ideen ist in der neuen Firmierung Cramer & Huß Technik GbR zukünftig auch Johannes Huß zuständig. Ab 2026 wird er als weiterer Geschäftsführer die Weiterentwicklung neuer Ideen vorantreiben. Er ist Maschinenbauingenieur mit Erfahrung in der Industrie. Er bringt sein technisches Know-how und Managementgeschick in die Weiterentwicklung neuer Ideen bei Cramer & Huß Technik GbR ein.



Land Roamer

Die Landroamer GmbH projektiert und fertigt spezialisierte Expeditionsfahrzeuge im Premium-Segment, die ihr Augenmerk auf Geländegängigkeit und Wohnkomfort optimiert haben. Das Kernmodell „The Pioneer“ nutzt ein innovatives Raumkonzept, um trotz kompakter Außenmaße einen großen Wohnraum zu erhalten. Technisch setzt der Hersteller auf maximale Autarkie durch leistungsstarke Energie- und Wassersysteme und eine hochwertige thermische Isolierung für den Einsatz in extremen Klimazonen.
Laske Expedition
Ins gleiche Segment stößt die in Deutschland bekannte Marke Laske Expedition mit ihrem markanten Schrägdach. Das Besondere ist ein festes Hubdach, das im Stand nach oben gefahren wird und so viel Platz bietet. Im Gegensatz zu Zeltdächern schützt die feste Wand gegen Kälte, Lärm und Wind. Die Fahrzeuge sind so flach gebaut, dass sie problemlos in Schiffscontainer passen und gut durch schwieriges Gelände kommen. Jede Kabine wird individuell mit einem hochwertigen Innenausbau geplant, kann aber auch als Leerkabine geordert werden.


OLC Adventure
Die Capra-Camper haben sich mittlerweile zu einer der beliebtesten Kabinen im niedrigeren Preissegment entwickelt. Die Innenausbauten werden gerne von den Besitzern selbst übernommen. So bekommt man eine kompakte Wohnkabine zu einem moderaten Kurs.

The Unbounder
Flatbed´s scheinen „in“ zu sein. Das ist aktuell ein großes Thema. Am Wochenende Reisefahrzeug und am Montag wieder ein Arbeitstier. Diese hybride Nutzung des Pickups haben jetzt einige Hersteller für sich entdeckt und es macht ja auch Sinn und gibt ein weiteres Kaufargument für die Anschaffung eines Pickups.
Auch Unbounder entwickelt ein hochflexibles Wechselsystem, das die werksseitige Pickup-Pritsche durch ein multifunktionales Aluminium-Flatbed ersetzt. Diese Basisplattform dient als technisches Grundlage für die Aufnahme der Wohnkabine, die über standardisierte Fixpunkte schnell montiert und demontiert werden kann. Konstruktiv liegt der Fokus auf Schwerpunktabsenkung, um die fahrdynamischen Eigenschaften des Basisfahrzeugs im anspruchsvollen Gelände zu erhalten.
Das Thema Schwerpunkt bei einem Pickup-Camper habe ich auffällig oft auf der Messe vernommen. Anscheinend haben die Hersteller verstanden, worauf es bei einem gut konstruierten Camper ankommt. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. Katastrophale Fahreigenschaften und ein nerviges Nicken auf der Autobahn waren die Folge. Ausführliche Infos zum Thema findest du in meinem Buch „Die Welt der Pickup-Camper“.




Fazit:
Ich glaube, ich habe auf einer Messe noch so viele neue Ideen und Innovationen für Pickup-Camper gesehen. Bei der Fahrzeughersteller-Modellpolitik, den aktuellen Dieselpreisen und Vorgaben aus Brüssel sowie sonstiger Inflation hat man ab und zu das Gefühl, „die Welt der Pickup-Camper“ neigt sich dem Ende zu. Aber gerade jetzt geben die Hersteller richtig Gas und schenken neuen Mut, in das schöne Hobby einzusteigen. Vielleicht war man in den letzten Jahren einfach zu satt für neue Ideen und musste erst einmal die kaufwilligen Kunden befriedigen, die in Reihe vor der Tür standen. Das ist jetzt wieder anders. So wie früher. Jetzt heißt e, mit neuen, frischen Ideen um die Gunst der Kunden zu buhlen. Diese Ideen konnte man auf der Rhein-Waal 2026 bestaunen. Danke an Jana Fröhlich und Co. für die tolle, unkomplizierte Organisation.
Für alle, die lieber schauen als lesen, hier das Ganze und noch viel mehr in bewegten Bildern auf meinem YouTube-Kanal. Viel Spaß dabei.














