Selten hatten wir ein solches Kontrastprogramm auf einer Urlaubsreise:
Der Besuch eines imposanten Schlosses, ein Naturwunder am Atlantik, eine spektakuläre Wanderung, eine Besichtigung eines Naturreservat, ein Hardcore Offroad Trail und sonnige erholsame Badetage (im Mai !) an der Mittelmeerküste.
Mehr Erlebnis geht nicht in 14 Tagen und 3600 km. Aber von vorne:
Der erste Stopp erfolgt nach 250 km am Stellplatz Luxi’s Camping in Wasserbillig in Luxemburg. Wir tanken für 1,22 € !!! und können umsonst am Stellplatz nächtigen, wenn man für 50.-€ mindestens verzehrt/tankt. Nicht schön, in einem Industriegebiet zu übernachten, aber zweckmäßig. Im Umfeld gibt es einige Restaurants und Schnellimbisse.
Schloss Chambord
Früh am Morgen geht es in Loire Tal. Zum Camping Municipal Bellevue Muides sur Loire . Schön an der Loire gelegen, keine Parzellen nur eine große Wiese. Mit 36 € für 2 Nächte finde ich es günstig. Die Sanitäranlagen sind o.k. Von hier sind es nur 8 km zum Schloss Chambord. Theoretisch. Vorausgesetzt man findet den richtigen Weg …

Denn Achtung: will man mit Fahrrad oder zu Fuß zum Schloss, muss man sich exakt an den ausgewiesenen Wege halten. Wir wollten schlau sein und den Weg abkürzen, nicht wissend, dass das Schloss bzw. den Schlosswald eine riesige Mauer umgibt. Es gibt also ein Tor, das es zu finden gilt. Ansonst läuft man einen Umweg außerhalb des Schlossgeländes an der Mauer entlang. So wie wir….. Also immer schön den Beschilderungen für den Fahrradweg folgen, dann sind es nur 8 km.
Der Schlosswald ist angeblich so groß wie Paris.
Es gibt auch einen Stellplatz direkt am Schloss. Das hat den Vorteil, dass man morgens früh bei den ersten Besuchern ist.
Von Muides sur Loire nach Chambord sind es nur 8 km, wenn man innerhalb der Mauern läuft (rechts an der langen geraden Straße und nicht links) und nicht wie wir, außerhalb. Fast alle Wege innerhalb des Schlosswalds sind gesperrt. Man kann nur auf vorgegebenen Wegen laufen. Nicht von Google Maps leiten lassen! Immer schön dem ausgewiesenen Fahrradweg folgen.
Das Schloss Chambord wurde im frühen 16. Jahrhundert unter Franz I. als Jagdschloss erbaut und sollte seine Macht und Größe demonstrieren. Es ist bekannt für seine einzigartige französisch-renaissance Architektur, die nie vollständig fertiggestellt wurde. Es hat annähernd 300 Kamine und besteht aus unzähligen reich verzierten Türmen und Türmchen. Sehr imposant und eindrucksvoll.
Die ganze Geschichte des Schlosses findest du hier: Schloss Chamord (Wikipedia)






Die wohl bekannteste Besonderheit des Schlosses Chambord ist seine doppelläufige Wendeltreppe. Diese einzigartige Treppenanlage besteht aus zwei voneinander unabhängigen, spiralförmigen Treppenläufen, die sich um eine gemeinsame Achse winden. Das Besondere daran ist, dass zwei Personen gleichzeitig auf- und absteigen können, sich dabei zwar sehen, aber niemals direkt begegnen. Dieser Entwurf wird Leonardo da Vinci zugeschrieben, der in den letzten Jahren seines Lebens im Dienst von Franz I. stand und mutmaßlich die Ideen für dieses architektonische Meisterwerk lieferte.







Dune du Pilat
Die Dune du Pilat ist die höchste Wanderdüne Europas. Sie liegt an der Atlantikküste Frankreichs bei Arcachon. Mit einer Höhe von bis zu 110 Metern, einer Länge von etwa 2,7 Kilometern und einer Breite von 500 Metern wandert sie stetig landeinwärts. Jedes Jahr 1–3 Meter. Davon zeugen die von Sand umgebenen Bäume. Von ihrer Spitze aus bietet sich ein atemberaubender Blick über den Atlantik, die Bucht von Arcachon und die umliegenden Pinienwälder. Wir ergattern einen Platz direkt am Treppenaufstieg zur Düne auf dem Camping: Camping de la Dune »Les Flots Bleus«
Das Problem: 5 Campingplätze und 5000 ha Wald wurden am 19.07.22 raub eines großen Feuers. 6000 Urlauber an der Dune du Pilat mussten evakuiert werden. In Summe sind 32.000 ha Wald in der Region verbrannt. Die Baumstümpfe zeugen heute noch von dem Ereigniss.
Dem zufolge sind die Campingplätze im Neuaufbau. Waren zeitweise wieder geöffnet. Bei unserer Ankunft im Mai 25 waren bis auf einen alle geschlossen! Es wäre schön gewesen, wenn die Betreiber darauf hinweisen würden und sie nicht bei Google als geöffnet kennzeichnen!
Sehr ärgerlich!
Aber Glück im Unglück. Wir finden einen Platz direkt am Fuße der Düne. Direkt an der »Treppe des Todes« :-). Aus unserem Fenster können wir beobachten, wie sich die Menschen die Treppen hinauf und hinunter quälen. Manchmal sehr belustigend.


Ohne Treppe wäre es fast unmöglich, an dieser Stelle aufzusteigen.

Womos stehen an der Straße und die geländegängigen Vans und Pickup-Camper dürfen direkt an der Düne stehen.




Oben angekommen, eröffnet sich ein atemberaubendes Panorama. Allein deshalb hat sich der weite Weg an die Atlantikküste gelohnt. Auf der Gegenseite der Düne kann man herrlich am Robinson Beach entlang wandern.






Olite
Da das Wetter nicht so gut angesagt ist, entschließen wir uns weiter Richtung Spanien in die Bardenas Reales reisen. Von dort dann weiter in die Pyrenäen zum Wandern. Seit Jahren habe ich sie auf dem »Schirm« , lagen aber irgendwie nie auf meiner Reiseroute. Deshalb nutzen wir nun die Gelegenheit. Bevor es in die Bardenas geht, besuchen wir die Stadt Olite. Ein schöner Stop von 1 – 2 Stunden mit guter Parkmöglichkeit für Womos, auf der 450 km langen Fahrt von der „Dune du Pilat“ zu den „Bardenas“.
Olite ist eine mittelalterliche Stadt in Spanien. Sie ist bekannt für ihren schönen Königspalast“Palacio Real de Olite“. Früher haben dort die Könige von Navarra gewohnt. Das Schloss hat viele Türme, Gänge und tolle Zimmer. Das alte Bauwerk wurde im Laufe der Jahrhunderte beschädigt, vor allem während der Napoleonischen Kriege. Heute ist es größtenteils wieder hergestellt. Weitere Infos zum Palast in Olite (Wikipedia)









Bardenas Reales
Wir übernachten am bekannten Stellplatz Área de Autocaravanas de Arguedas und ergattern den letzten Platz in der Reihe der Wohnmobile und Vans. Die meisten Besucher wollen in die oder kommen aus den Bardenas. In der Vorsaison ist es schon voll, in der Hauptsaison muss man warscheinlich schon Mittags anreisen um einen Platz zu bekommen. Von hier geht es in ein paar Kilometern zu den Bardenas. Es gibt am „Eingang“ zum Park sogar ein Besucherzentrum um Informationen zum Park einzuholen.


Die Bardenas Reales sind eine Halbwüste im Norden Spaniens, genauer gesagt in der Region Navarra. Eine einzigartige und karge Landschaft, die über Jahrtausende durch Wind und Wasser geformt wurde.



Nicht bange machen lassen von den reißerrischen Titel mancher YouTube oder Website Beiträgen: Die Schotterpisten sind einfach zu fahren und könnte man auch mit einem 3er BMW bewältigen.
Wenn ich die Überschriften der YouTube Beiträge lese kann ich nur den Kopf schütteln und finde es schon etwas lächerlich teils zum fremdschämen, was man sich so einfallen lässt, um Aufmerksamkeit und Klicks zu generieren.
Es sind hier eine Menge Straßenwomos unterwegs. Hier geht auch niemand in der „Wüste“ verloren. Du brauchst auch keine Sandbleche. Man fährt auf vorgegebenen Wegen und darf sie nicht verlassen, da es ein geschütztes Naturreservat ist. Da ist das Wort „Offroad“ fast schon missverständlich. Auch das Wort „Wüste“, dass viele Reisende gerne für die Region nutzen ist nicht ganz nachvollziehbar. Laut offizieller Definition ist es vielleicht so. Aber nicht ansatzweise vergleichbar mit den Wüstengebieten Tunesiens oder Marokkos.
Aber die Landschaft ist atemberaubend.
Wenn man sich beeilt hat man in einer Stunde die Hotspots gesehen. Aber die Fotostopps hindern einen ans Weiterfahren und so würde ich 3-4 Stunden kalkulieren. Ich habe von Reisenden gelesen die 2 Tage vor Ort waren. Eines sollte man noch wissen: Man ist dort nie alleine:-)





Offroad zu den Mallos de Riglos

Wir verlassen die Bardenas für eine wilde Offroad Piste zu den Mallos de Riglos. In einem kleinen Dorf wird uns ein überstehender Balkon zum Verhängnis. Kein Hinweisschild das ich die Straßen des Dorfes nicht befahren darf. Und plötzlich stehen wir mittendrin. Die Straßen werden so eng das der Ranger gerade noch durchpasst. Was jetzt? rechts, links? geradeaus? Wir können noch nicht mal aussteigen um zu schauen wie es weitergeht. Mit der hinteren, oberen linken Eckkalotte streifen wir einen vorgelagerten Balkon. Gott sei dank nur etwas Lack ab. Aber die Schrecksekunde bleibt in Erinnerung.

Danach wird es ruhig um uns. Kein Wohnmobil oder Van ist mehr zu sehen. Überhaupt sehen wir auf den 60 Km Offroadtrack niemanden. Keine Mountainbiker, keine Jäger, keine Wanderer,keine Einheimischen. Wir sind für über 60 km völlig alleine. Das heißt auch im Umkehrschluss das niemand im Falle einer Panne zu Hilfe kommen kann. Und zeitweise haben wir auch keinen Handyempfang. Die Pisten haben es in sich. Der Ranger muss zeigen was er kann. Und er kann viel. Sehr viel mehr als man ihm zutraut. Zuerst einfacher Schotter. Dann Schlamm und ausgewaschene Steinpisten. Er bewältigt Felsaufstiege dank des stabilen Ironmanfahrwerk ohne murren. Sorgen machen mir die immer enger werdenden Sträucher und Bäume. Nichts für zarte Gemüter. Die Geräusche der Sträucher und Äste am Fahrzeuglack errinnern mich an meinen Zahnarzt. Irgenwann ist der »Point of no Return« erreicht. Jetzt heißt es durchziehen, egal was kommt. Vor lauter Hektik vergesse ich die wildesten Aktionen zu filmen.

Entlohnt für die Strapazen des Tages werden wir mit einem einfachen aber genialen Campingplatz.

Camping Armalygal Traumhaft in einem Olivenhain gelegen, bietet er eine atemberaubenden Blick auf die „Mallos de Riglos“.

Die Mallos de Riglos sind eine markante Felsformation in der Provinz Huesca, in der Region Aragón. Sie befinden sich in der Nähe des kleinen Dorfes Riglos, am Rande der Pyrenäen und sind bis zu 300 Meter hoch.


Der Mai ist eine tolle Reisezeit. Alles blüht in bunten Farben und das grün der Pflanzen leuchtet beinahe künstlich. Vielleicht liegt es an den massiven Regenmassen und Unwetter der letzten Tage und Wochen. Die Flüsse sind am überlaufen während in der Tagesschau über den Niedrigpegel des Rheins berichtet wird. Irgendwie alles durcheinander.

Die schlechten Wetterprognosen für die Pyrenäen zwingen uns zur Planänderung.
Das Wandern lassen wir ausfallen. Im Nebel und Regen macht es keinen Spaß.
Deshalb heißt es noch mal das Messer zwischen die Zähne zu nehmen und an die Mittelmeer Küste zu fahren. Dort soll das Wetter sich bessern. Dort machen wir Urlaub vom Sightseeing, Offroaden und Reisen.
Alquezar
Aber vorher wollen wir uns noch einmal quälen. Eine beeindruckende Wanderung (Pasarelas del Vero) in eine Schlucht steht an. Dazu heißt es erstmal über 500 Stufen talabwärts. Ausgangspunkt ist im wunderschönen Ort Alquezar.









Roses
Wir schauen uns an der Mittelmeerküste einige Plätze an und müssen schnell feststellen, das es nicht unsere Welt ist. Die engen Parzellen und Bespaßung mit lustigen Animationsprogrammen sind nichts für uns.
Also auf zum Altbewährten. Zum Campingplatz Laguna unterhalb Roses gelegen. Ohne Hecken oder Zäune als Grenze zum Nachbarn und insgesamt recht ruhig mit einem herrlichen Strand. Im Mai noch recht leer, ab dem Feiertag „Christi Himmelfahrt“ wurde es dann deutlich voller.




Der Campingplatz Laguna bei Roses überzeugt uns immernoch. Er ist fest in deutscher Hand , im Mai zu vielleicht 60 -70% belegt und deshalb recht entspannt. In wenigen Metern ist man im Meer. Wenig bis gar keine Jugendliche oder Kleinkinder, dafür viele Hunde, daß es schon grenzwertig ist. Mancher stolze Hundebesitzer spaziert “ Ben Hur gleich “ ( der mit den Streitwagen) mit einer ganzen Armada von Hunden. Andere transportieren sie in Kinderwagen. In der Vorsaison werden anscheinend Hunde am Strand toleriert. In der Hauptsaison? Ich mag Hunde, aber man sollte sich auch bewusst sein, dass es Menschen gibt die keine mögen oder gar Angst davor haben. Für die wird der Campingplatz zunehmend unattraktiv. Nicht jeder Hund ist wohlerzogen und nicht jeder Besitzer hat sein Tier im Griff. Und ob den Hunden die teils extreme Hitze gefällt? So liegt mancher Hund Stunden lang ohne Schatten in der prallen Sonne…
Einzig das riesige Hochhaus von Empuriabrava im Hintergrund vom Campingplatz schmälert den guten Gesamteindruck. Für diese Bausünde kann der Campingplatz nichts. Wir werden gerne wiederkommen.


Tipp: Samstag ist in der Urbanisation Empuriabrava , die fußläufig am Strand erreichbar ist, Markt. Kurz vor Schluss müssen die Händler ihr Obst loswerden und so kaufen wir eine Palette Nektarinen,eine Palette Erdbeeren für zusammen 6€.





Abreise

Nach Tagen des Nichtstun geht es wieder Richtung Heimat. Eingeteilt in 2 x 650 km Etappen entdecken wir einen tollen Camping direkt an der Saone. Wir stehen direkt am Wasser und überblicken von rechts bis links den Fluss. Der im Prospekt versprochene Pool ist grün voller Algen und die Dusch und Toiletten Situation nicht gut. Aber wir haben sowieso alles dabei und solch einen Platz bekommt man kein zweites Mal.

Hier hätte jeder Ornithologe seine Freude gehabt. Eine wahnsinns Geräuschkulisse begleitet uns am Abend und morgen. Frösche, Schwäne, Enten, Störche, jede Menge andere Vögel und ein Esel. Da war ganz schön was los am letzten Abend der Reise.

Und hier die “ Lange Version“ mit den 6 Highlights der Reise durch Frankreich und Spanien.